rt-go: 2016-08-07

Senioren-Handy ???

Ich kenne einige Senioren, die zu recht davor zurück schrecken, sich ein sog. Senioren-Handy an zu schaffen und einige, die sich irgendwo eins aufschwätzen haben lassen und nun darüber fluchen, dass sie mit dem "Scheißding" nicht klar kommen.

Meine Mutter, um mal ein konkretes Beispiel zu nennen, ist 88 Jahre alt und im Kopf noch so fit wie es andere mit 60 gerne wären. Sie hat mir erzählt, dass sie keinen Festnetzanschluss braucht, weil sie ja eh den ganzen Tag unterwegs ist. Und wenn sie abends zuhause ist, will sie natürlich keine lange Anruferliste abarbeiten.

Sie will tagsüber unterwegs am Mobiltelefon direkt erreichbar sein und bei Bedarf andere erreichen. SMS kennt sie nicht, braucht sie nicht und will sie nicht. Wer etwas von ihr will, soll sie anrufen, dann bekommt er auch gleich eine Antwort.

Also, hab ich mir gedacht, dann schenk ich ihr doch ein Senioren-Handy. Und habe auch ein möglichst einfaches gefunden. Ein "PowerTel M6300", das der Beschreibung nach genau richtig sein sollte. “Großtasten-Handy – einfach zu bedienen.

Die Kurzanleitung von vier Seiten, erklärt gerade mal, wie man das Gerät in Betrieb nehmen kann. Nicht mehr. Das aber dann auf 30 Seiten gedruckt in sieben Sprachen. Die eigentliche Bedienungsanleitung gibt's nur als PDF-Datei mit allein auf Deutsch schon 95 Seiten. Natürlich habe ich mich ganz durch gequält und auch alles verstanden, aber am Ende fest gestellt, dass ich das meiste schon wieder vergessen hatte, weil es halt so kolossal einprägsam war. Das bedeutet, dass man, wenn man etwas wissen will, alles von vorn durchsuchen darf, weil der Verfasser zwar alles aufzählen wollte, aber an einer vernünftigen Vermittlung offensichtlich gar nicht interessiert war.

Das Menü war natürlich so kompliziert und unübersichtlich, dass meine Mutter die Finger davon lässt. Wenn etwas einzustellen ist, darf ich das machen. Nachdem ich in der Bedienungsanleitung eine halbe Stunde nach gesucht und nach gelesen habe.

Das "Telefonbuch" habe ich selbstverständlich auch eingerichtet, weil sie mit der Eingabe der Namen optisch überfordert war. Das gleiche Display und die gleichen Tasten sollten natürlich auch für die Eingabe von SMS dienen. Welch ein Schwachsinn!

Das "Telefonbuch" nutzt sie übrigens auch nicht. Die Bedienung ist dank der Vier-Wege-Taste in der Mitte, die man nie richtig trifft, so unzumutbar, dass sie die Rufnummern lieber direkt über die Zifferntasten eingibt. Sie kennt sie ja, inklusive Vorwahl, alle auswendig. Obwohl das etliche sind. Hirnjogging hat ja auch was für sich.

Jetzt habe ich eine Bitte, falls sie den Hersteller kennen, sagen sie ihm, er möge mir doch möglichst nicht über den Weg laufen, damit ich nicht straffällig werde. Ich werde ja noch gebraucht.

Und im Übrigen bin ich halt ein unverbesserlicher Optimist und gebe die Hoffnung nicht auf, dass noch nicht alle Hersteller hirnamputiert sind und sich vielleicht doch einer findet, der sich bei der Konstruktion eines Senioren-Handys mal ausnahmsweise nach den Bedürfnissen der Senioren richtet.

Die werden nämlich immer zahlreicher, haben auch nur eine begrenzte Geduld und etliche verfügen sogar über einen vielseitig verwendbaren Stock.

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