rt-go: 2016-04-05

Lesen · Schreiben · Drucken?

Ein Buchhändler hat mir einmal sein Leid geklagt und behauptet, dass die Leute zu wenig lesen. Dem habe ich widersprochen und aus Überzeugung behauptet, dass die Leute zu viel schreiben und vor allem zu viel drucken. Das hat ihn nachdenklich gemacht und immerhin zu der Äußerung gebracht, dass da was dran sein könnte.

Wenn ich sehe, was Tag für Tag gedruckt wird, tut es mir Leid um die vielen Bäume, die nur dafür gefällt werden, damit noch irgend ein Niemand seine todlangweiligen Memoiren verbreiten kann. Um nur mal ein eher unbedeutendes Beispiel zu nennen. Oder, um Nachrichten aufs Papier zu bringen, die schon morgen das Papier nicht mehr wert sind. Oder, noch schlimmer, um die Leute mit verlogener Werbung zu zu schmeißen.

Ich bin – aber nicht nur deshalb – ein entschiedener Gegner des Buch- und Zeitungsdrucks. In einer Zeit, in der fast jeder über elektronische Medien verfügt, muss nichts mehr gedruckt werden. Das ist eine gigantische und sinnlose Verschwendung von Ressourcen, die schnellstmöglich unterbunden werden müsste.

Ich lese gern. Aber selbstverständlich nur online. Das hat den Vorteil, dass ich den ganzen “Müll”, der mich nicht interessiert, auch nicht entsorgen muss. Und vielleicht bleibt mancher Baum erhalten. Jedenfalls, wenn sich endlich noch mehr Leute besinnen.

Ich schreibe gern. Manchmal habe ich das Bedürfnis, über meine Reisen, Erlebnisse oder Sonstiges zu berichten. Und weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es Leute gibt, die das gerne lesen, bin ich auch noch nicht davon ab gekommen. Aber das, was ich schreibe, veröffentliche ich selbstverständlich ausschließlich online.

Obwohl, ich muss es zugeben, eine einzige ganz kleine Ausnahme mache ich dann doch. Weil meine Mutter (88) keinen Computer und kein Internet hat, bekommt sie manchmal einen Ausdruck. Und weil sie einige Bekannte hat, die zwar ebenfalls keinen Computer haben, aber meine Geschichten und Berichte auch gerne lesen, gibt sie sie natürlich weiter, so dass die dann wie in einem Lesezirkel die Runde machen. Das war's dann aber auch.

Bisher hatte ich vor allem Reiseberichte geschrieben und über die “Basteleien” an meinem Trike berichtet. Inzwischen schreibe ich aber auch Kurzgeschichten, Erzählungen, Gedichte und Kurzkrimis. Und das kam so:

Ein befreundeter Schreiber von Kurzgeschichten hatte beiläufig erwähnt, dass er eine Lesung besuchen wolle. Auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage, warum er eine Lesung besuchen wolle, wo er sich seine Geschichten doch auch selbst schreiben könne, erklärte er mir, dass dort Kurz-Krimis gelesen würden.

Mit Kurzgeschichten war ich vertraut und Krimis kannte ich natürlich auch. Aber, dass es auch Kurz-Krimis geben könnte, hat mich – warum, weiß ich auch nicht – irgendwie etwas überrascht. Und es hat mich dazu gebracht, mal über die Problematik von Kurz-Krimis nach zu denken:

Einerseits muss die Situation ja so ausführlich beschrieben und vorbereitet werden, dass der Leser ganz klar sieht, worum es geht und wie es zu der Tat kommt. Andererseits muss alles Entbehrliche weg gelassen werden, damit die Geschichte so schnell und direkt wie möglich zum Ende kommt. Und das sollte dann bitte auch noch eine Pointe bieten.

Weil man manches nur richtig kennt, wenn man es auch selbst probiert hat, habe ich folglich mal versucht, einen Kurz-Krimi zu schreiben und bin bei 2 Toten mit nur 157 Wörtern hin gekommen. Das Ergebnis: “Im Tod vereint”, mag jeder selbst beurteilen.
Damit nicht genug – ich hatte Blut geleckt – wollte ich es dann auch noch auf die Spitze treiben und habe bei “Das Duell” für 2 Tote nur 20 Wörter gebraucht.

Weil ich aber in dieser minimalistischen Richtung keine große Zukunft sehe, habe ich beschlossen, künftig doch lieber völlig “normale” Kurz-Krimis zu schreiben. Die sind dann halt so kurz wie möglich und eben so lang wie nötig.

Guck do:

Kein Sachschaden
Anglerglück
Alles außer Mord

Die Serie wird fortgesetzt.

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