rt-go: 2015-04-15

Mein erstes klassisches Klavierkonzert

Also ich muss es gleich vorweg sagen, ich bin kein begeisterter Fan klassischer Musik und schon gar kein Experte.

Nun ist es mir aber passiert, dass ich in ein Klavierkonzert geraten bin. Also gut, hab' ich mir gedacht, dann mach' ich eben das Beste daraus und habe mit allen Sinnen daran Teil genommen. Deshalb dürfte mir wahrscheinlich einiges aufgefallen sein, was dem reinen Musik-Liebhaber vermutlich entgangen ist, weil der sich natürlich ausschließlich auf die Musik konzentriert hat.

Also der Pianist war blind. Das hat er sich natürlich nicht selbst ausgesucht; das ist halt so. Für den Veranstalter des Konzertes hat das jedoch einen Vorteil. Weil der Pianist natürlich keine Noten vom Blatt lesen kann, wird auch keiner gebraucht, der die Noten um blättert. Das spart geschultes Fachpersonal.

Obwohl der Pianist blind ist, hat er die Tasten gefunden und genau gewusst, welche er jeweils drücken muss. Jedenfalls, so weit ich das beurteilen kann. Gut, ich hätte sehr wahrscheinlich ganz andere gedrückt. Aber, dass sich das besser angehört hätte, möchte ich sogar selbst stark bezweifeln. Auffallend war auch, dass der Künstler gar nicht alle Tasten gebraucht hat. Man hätte also zumindest links und rechts locker ein paar einsparen können. Dass der Spieler die Tasten ja nicht sehen und deshalb den Rand gar nicht abschätzen kann, war wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass das Repertoire (natürlich rein prophylaktisch) etwas eingeschränkt war. Nur etwas Chopin, Liszt und Debussy.

Bei den Tasten in der Mitte bin ich mir nicht ganz sicher. Da ist der Virtuose mit seinen Händen so schnell gewesen, dass es durchaus sein kann, dass schließlich alle irgendwann doch mal dabei waren. Die Frage der Gerechtigkeit im Sinne einer gleichmäßigen Verwendung aller Tasten wollen wir aber lieber mal nicht genauer untersuchen.

Dass so ein Flügel drei Pedale hat, war mir vorher gar nicht klar. Aber man konnte es zweifelsfrei erkennen. Und außerdem konnte ich beobachten, dass der Künstler vor allem mit dem Gaspedal gespielt hat. Die Kupplung hat er nur sehr selten benutzt und die Bremse überhaupt nicht. Und obwohl der Flügel drei Beine mit Zwillingsrädern hatte, hat er sich nicht einen Zentimeter von der Stelle bewegt. Klar, dass man dann gar keine Bremse treten muss.

So ein Flügel hat natürlich auch einen Flügel. Deshalb wird er ja so genannt. Wenn er zwei hätte, würde er vielleicht Vogel genannt; aber er hat nur einen. Und der wird hoch gestellt, um den Schall zu den Zuhörern hin zu reflektieren. Dass der Schall dabei vertikal gespiegelt und folglich oben und unten vertauscht wird, ist ganz klar und unvermeidlich. Leider saß ich jedoch nicht ganz genau davor und konnte es deshalb nicht zweifelsfrei hören. Aber ich bin ja auch, ich muss es wiederholen, nun mal kein Fachmann für klassische Musik. Und bei einem Boogie-Woogie wär' das ja sowieso alles ganz egal.

Auf jeden Fall hat sich mein Konzertbesuch gelohnt, denn ich hab' wieder einiges dazu gelernt. Und ein Tag, an dem man was dazu lernt, kann kein verlorener Tag sein.

Falls nun jemand überraschend das Bedürfnis verspüren sollte, einen noch viel professionelleren Bericht über das Konzert zu lesen, bitte sehr, hier ist einer (allerdings nicht von mir):

Französische Verhältnisse

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