rt-go: 2010-05-02
/2016-01-13

Absurde Angaben

Was man schwarz auf weiß liest,
muss noch lange nicht wahr sein.

(Deshalb schreibe ich lieber in blau-grün.)

Beim “Konsum” diverser Routenbeschreibungen
stolpere ich immer wieder über haarsträubende Angaben.

Entfernungs-Angaben

Wenn ich meine aufgezeichneten Touren
z. B. bei GPSies betrachte, fällt mir auf,
dass die Entfernungsangaben stets geringer aus fallen,
als sie mein korrekt eingestellter Tacho angezeigt hat.

Aber, das ist gar nicht so verwunderlich.

Die aufgezeichnete Route wird ja
in Form von Wegpunkten erfasst.

Wenn dann die Software die gesamte Strecke als
Summe der Entfernungen
der einzelnen Wegpunkte berechnet,
benutzt sie zwangsläufig die “Abkürzungen”.
Dann muss natürlich weniger heraus kommen,
als mein Tacho auf der wahren Route
abgefahren ist.

Deshalb macht es Sinn,
die Routen so genau wie möglich
(mit vielen Punkten)
zu erfassen.

Hier ein konkretes Beispiel.
Mit anderen Karten sieht das Ergebnis aber auch
nicht besser, sondern nur anders aus,
weil andere Karten andere Fehler haben.

 

Höhenmeter-Angaben und Profile

Noch schlimmer als bei den Entfernungen
sind die Angaben bei den Höhenmetern.

Da kann es einem richtig die Fußnägel auf rollen.

Da entarten topfebene Flussradwege
zu Mountainbike-Routen und
die Profile gleichen Erdbebenaufzeichnungen.

Beispiel von GPSies:
Saar-Radweg von Sarreguemines bis Konz,
110 km, Gesamtanstieg 614 Meter.

Aber, auch das ist nicht verwunderlich.

Die erfassten GPS-Daten (Wegpunkte) sind nicht gerade genau.
Die können schon mal 30 Meter an der Realität vorbei gehen.
Aber auch mit der Karte selbst erfasste Wegpunkte
sind nicht sehr exakt, weil ja auch die Karten
erhebliche Ungenauigkeiten auf weisen.

Die Skizze verdeutlicht die Konsequenzen.

Während der Radler z. B. bequem
auf dem konstant eben verlaufenden Weg fährt,
errechnet und addiert die Software,
wegen der Positionsabweichungen, Höhenmeter,
die der Radler zum Glück gar nicht hoch strampeln musste.

Man darf deshalb die angegebenen Höhenmeter
durchaus anzweifeln und manchmal sogar eher
den verbalen Angaben über die Strecke vertrauen.

Diese Empfehlung ist aber auch nur bedingt richtig.

Denn leider wird auch immer wieder gelogen,
dass einem die Luft weg bleibt.

Siehe: Kocher-Jagst-Radweg (Die große Verarsche)

Fazit

Wenns einem die Sprache verschlägt,
fährt man am Besten stumm weiter.
Aber anderswo.

 

Und trotzdem:

Ohne Übertreibung geht es nicht

Ein konkretes Beispiel:

Der Saar-Radweg von Sarreguemines bis Konz
fällt auf einer Strecke von 110 km
von 210 m auf 130 m Höhe über NN.
Also um ganze 80 m.

Um das z. B. auf dem Bildschirm dar zu stellen,
müssen die Strecken verkleinert werden.
Wenn man die 110 km durch 1.000.000 teilt,
werden daraus leicht darstellbare 110 mm (11cm).
Teilt man die 80 m ebenfalls durch 1.000.000,
werden daraus 0,08 mm.
Das ist etwa ein Drittel von einem Pixel
und so natürlich nicht darstellbar.

Also muss man bei der Höhe übertreiben
und das Maß ist Geschmackssache.

Bei Radwege Saarland z. B.
wird die Strecke so dar gestellt:

Ein brauchbarer Kompromiss,
der einem aber auch nicht wirklich hilft.

Dann also lieber die verbale Beschreibung:
“Die familienfreundliche, völlig ebene Tour
führt entlang des Saarufers
von Saargemünd in Frankreich bis nach Konz.”
Die Angabe:
230 Höhenmeter.
Und die Hoffnung,
dass nicht all zu viel gelogen wurde.

Wieso es insgesamt 80 m abwärts geht,
und man trotzdem 230 m hoch strampeln muss,
ist durchaus zu verstehen.
Der Weg kann nicht ständig
exakt auf gleicher Höhe
am Fluss entlang führen.
Gelegentlich muss er auch ins Gelände aus weichen
und dabei einige Höhenmeter überwinden.

Natürlich darf man die anschließend wieder abwärts rollen.
Aber das ist den Waden ziemlich egal.

 

Fazit

Die bekannte Empfehlung:
“Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!”,
gilt ganz entsprechend für Darstellungen
und Beschreibungen von Radwegen.

Da bleibt nur:
“Selbst strampeln und die Tour beschreiben.”

In diesem Sinne will ich dann mal los fahren.
 


Keep dry king!

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