rt-go: 2010-07-05 / 2011-07-11

Rolfs Road Train
1, 2, 3 usw.
Trike-Tandem-Varianten
“nach Art des Hauses”

Die Ausgangssituation

Um unsere beiden Trikes zum Tandem zu verbinden,
musste ich bisher am zweiten das Vorderrad entfernen
und die Gabel an der Spezial-Kupplung des ersten befestigen.

Das hat leider einige gravierende Nachteile:

Das erste Trike verliert dabei den wertvollen Platz für den Gepäckträger und das zweite den für die Lowrider.
Das zweite Trike bringt etwa 30% seines Gewichtes, also bis zu 45 kg, als zusätzliche Belastung auf das Hinterteil des ersten Trikes und strapaziert dadurch zusätzlich das Material.
In engen Kurven besteht die Gefahr, dass die Pedale eingeklemmt und beschädigt werden. Der “Stoker” muss deshalb die Stellung der Pedale kontrollieren und kann nicht mit strampeln.
Der Wendekreis des Gespanns ist mit ~4 m um einiges größer als beim einzelnen Trike und wird noch größer, wenn der “Stoker” und damit die Kontrolle über die Pedalstellung fehlt.
Wenn das zweite Trike einen Nabendynamo hat, ist mit dem Vorderrad auch die Stromversorgung weg.
Im Falle einer Panne am ersten Trike kann man mit dem zweiten keine Hilfe holen.

 

Diese Nachteile haben mich sehr gestört
und zu einigen Überlegungen veranlasst.


 

In der Erntezeit kann  man bei uns immer wieder
Traktoren mit zwei Anhängern sehen.

In Australien und einigen anderen Ländern sind sogar
Zugmaschinen mit viel mehr Anhängern unterwegs.

Wenn zweiachsige Anhänger mit Deichsel
grundsätzlich funktionieren,
müsste es doch bei unserem “Road Train”
genau so möglich sein,
das zweite Trike mit einer Deichsel
an das erste zu koppeln.

Natürlich kommt dabei ein zusätzliches Gelenk in das Gespann.
Aber das ist kein Problem.
Beim Ziehen folgt das zweite Trike brav dem ersten.
Was soll es auch anderes machen.
Es wird ja durch die Deichsel gelenkt.
Nur beim Bremsen könnte das zweite von hinten schieben
und das Gespann eventuell aus der Richtung bringen,
wenn es quer über das Vorderrad hinaus schiebt.
Aber auch das ist nicht wirklich ein Problem.
Denn dieser Anhänger wird ja auf Zuruf intelligent gebremst.
Jedenfalls, wenn meine Frau drauf sitzt.
Und Blondinen nehm' ich ja sowieso nie mit.

So weit die Theorie.

In der Praxis waren dann natürlich
noch einige kleine Probleme zu lösen.
Aber dazu sind sie ja da.


1. Lösung

a) Die Kupplung am ersten Trike

Weil ich keine fertige Kupplung kannte,
die für diesen Zweck geeignet erschien,
habe ich eine eigene Lösung gesucht.

Ich fand sie bei der Betrachtung des Gelenkes,
das den Lenker mit dem Vorderrad verbindet.

Das Teil wird Gelenkkopf genannt und ist sehr gebräuchlich.
Meines wird z. B. von VW, BMW und Ford verbaut und
lag beim örtlichen Maschinenbauer in der Schublade.

 

b) Die Deichsel am zweiten Trike

Zuerst bieten sich natürlich mal die Achs-Enden des Vorderrades
als mögliche Befestigungspunkte für die Deichsel an.
Das wäre jedoch mit erheblichem konstruktivem Aufwand verbunden.
denn die Deichsel muss das Rad “fest im Griff” haben,
aber in der senkrechten beweglich sein.

Ich habe mich deshalb dafür entschieden,
die Befestigungspunkte für die Lowrider zu nutzen.

Ich verwende sowieso keine Lowrider
und dort kann die Deichsel ohne zu stören
die Gabel zuverlässig führen.

Jetzt weiß ich endlich,
wozu die Löcher in der Gabel sind.

Darin sitzen jetzt zwei Schrauben M6x50.
Auf die wird die Deichsel aufgesetzt und radial drehbar
mit Muttern und gekonterten Hutmuttern gesichert.

Wenn das Vorderrad eine Scheibenbremse hat,
 kann die Deichsel direkt an die Gabel montiert werden.

Weil unser gezogenes Trike aber eine Felgenbremse hat,
muss die Gabel mit etwas Abstand montiert werden,
damit die Deichsel nicht mit den Bremsen kollidieren kann.
 

c) Die Änderungen

Vorher war da die Hase Universalkupplung.

Dann war da Rolfs “Spezialkupplung” (M10x60).

Die Weberkupplung für den Anhänger funktioniert natürlich wie zuvor.

Nur, dass sie jetzt noch etwas weiter einschlagen kann.

Der Clou kommt aber erst jetzt:

Das zweite Lepus wird mit der Deichsel an gehängt.

Vorne ist die Deichsel so montiert,
dass der Gelenkkopf maximale Bewegungsfreiheit hat.

Und hinten kann sich die Deichsel nur radial drehen.

Bei maximalem Einschlag kann der Kapitän
mit dem Stoker Auge in Auge ein Schwätzchen halten.
Das diente aber nur zu Testzwecken
und ist keine normale Fahrsituation.
Denn um mehr als 180° muss man ja nie wenden.
Es ist aber auch kein Problem, nach außen zu lenken
und so den “Knoten” wieder auf zu lösen.

Ein echtes Wendemanöver ...

... ist völlig unkritisch.

Und dafür genügen mir unschlagbare:

2,85 m.

Ist das geil ?!

In einem drei Meter schmalen Gässchen
(erst mal eins finden)
kann ich mit dem Lindwurm
ganz bequem Achter drehen.



 


 

ABER


Das Bessere ist der Feind des Guten.
Deshalb wird das Alte nicht schlecht.
Aber das Neue ist halt noch ein Bisschen besser.

 

Bei meiner ersten Lösung hat mich von Anfang an gestört,
dass die “Kupplung” Schrauben benötigte.
Dadurch war das An- und Abhängen
doch etwas unbequem,
um nicht zu sagen ätzend.

Im Gegensatz dazu muss man bei der Weberkupplung nur
das Anschlussteil drauf schieben und drehen.
Dabei verriegelt der Bajonettverschluss
und der Sperrknopf rastet ein.

Weber gibt zwar beim Schwerlastmodell der Kupplung
ein Limit von 80 Kilo an, aber alles ist relativ.

Wenn beim letzten Rekordversuche der Hasen mit 96 Kettwieseln
die ersten 48 in die Pedale getreten
und die übrigen 48 gebremst hätten,
wäre wahrscheinlich was kaputt gegangen.


Quelle: http://hasebikes.com

Und der Erste hätte die übrigen 95
mit einer Masse von rund 9,5 Tonnen
vermutlich auch nicht sehr weit gezogen.

Also, wenn man sich immer nur innerhalb
der Gewährleistungsgrenzen bewegen würde,
käme man wohl nie viel weiter.

Außerdem:
Wenn ich z. B. bei einer Brückenauffahrt
das zweite Trike und den Anhänger hoch trete,
hängen da weniger als 80 kg dran.

Und wenn meine Frau drauf sitzt,
kommen da zwar ein paar schöne Kilo dazu,
aber die helfen ja beim Antrieb
und werden auf Zuruf intelligent gebremst.

Im Klartext:

Ich sah keinen vernünftigen Grund,
den Versuch mit der Weberkupplung nicht zu wagen.
 


 

2. Lösung

In der örtlichen Schlosserei
habe ich aus 10x3x1.000 mm Bandstahl
ganz fix eine neue Gabel gebogen
und der “Kunstbrutzeler” hat ein Rohr
22x1,2x400 mm dran geschweißt.
Hinten kamen dann noch zwei 6-er Löcher rein
und vorne der Weber-Anschluss dran
und schon war die neue Lösung (fast) fertig.

Hier ist sie einfach mal hoch geklappt.

Und hier in Funktion.
Da fehlt nur noch die Fangleine.
Die Gabel ist absichtlich etwas länger,
damit man sie bei Bedarf unter das Rad klappen
und so ohne Demontage aus dem Weg schaffen kann.

Zum Transport ist die Deichsel nach hinten geklappt.
Inzwischen (s.u.) ist sie abnehmbar.

Das war absolut keine Überraschung.
Was vorher nicht ging, geht jetzt auch nicht.
Denn die örtlichen Schikanen sind so bescheuert gesetzt,
dass sie fast unpassierbar sind.

Da passt maximal ein Trike alleine durch.
Und auch das nur,
wenn man davor und dahinter etwas durchs Gras fährt.

Vorteil der neuen Kupplung:
Sie geht wirklich im Handumdrehen auf.
Und schon sind die Probleme keine Probleme mehr
oder höchstens noch Problemchen.

Der erste Versuch mit Fangleine war für die Katz.
Falls die Weber-Kupplung tatsächlich zerbröseln sollte,
würde die Fangleine auch nichts nützen.
Die Deichsel würde nämlich ungehindert herunter fallen,
sehr wahrscheinlich irgendwo anstoßen und in der Folge
das zweite Trike total aus der Richtung hauen.

Das sollte unbedingt verhindert werden.

Also habe ich die Fangleine gleich wieder demontiert
und den Kupplungshalter so um gedreht,
dass die Öffnung nach oben zeigt.

Aus 3 mm starkem Edelstahl-Draht habe ich dann
diese Schlaufe gebogen und so an die Deichsel geschraubt,
dass sie etwas nach oben gedrückt wird.
(Das “Näschen” vorne ist übrigens
unbeabsichtigt und ohne Bedeutung.)

Kleiner Nebeneffekt: die Deichsel
fällt nicht auf den Boden und bleibt sauber.

Egal, ob voll eingeschlagen, ...

... oder gestreckt, die Drahtschlaufe liegt auf.

Da hat nur noch ein Stück Flauschband gefehlt,
damit nicht Metall auf Metall reibt oder dengelt.

Ach ja, fast hätte ich's vergessen

Natürlich ist jetzt auch das erste oben genannte Manko beseitigt.

Mein Gepäckträger und die 50-Liter-Kiste
passen jetzt wieder aufs erste Trike.

Und wenn man unbedingt wollte,
könnte man auch noch zwei Lowrider an die Deichsel hängen.
Das muss aber nicht sein.

 

 

Fazit

Irgend wie geht's immer.

Wo ein Wille ist,
ist auch ein Radweg.

Wie sich das ganze bewährt,
muss sich im Laufe der Zeit zeigen
und wird selbstverständlich dokumentiert,
sobald entsprechende Erfahrungen vor liegen.

Fest steht aber jetzt schon,
dass das Cruisen mit dem Lindwurm
so viel Spaß macht,
dass die Ohren Dauer-Besuch haben.

Kurven her!
Ich will Spaß!

 

1. Nachtrag: 2010-08-03

Bei unserer ersten Erprobung auf der Rheinradtour
hat sich gezeigt, dass Weber-Kupplung und Deichsel
alle Erwartungen erfüllen und bestens funktionieren.

Das Ab- und Ankoppeln “im Handumdrehen”
ist nicht nur eine Erleichterung,
sondern fast schon ein Genuss.
Da stellt sich ganz automatisch
und unvermeidlich ein breites Grinsen ein.

Und irgendwann fragt man sich,
warum es nicht mehr Kurven gibt.

Ein Nachteil,
das will ich nicht verschweigen,
hat sich allerdings auch schon gezeigt.

Weil der Abstand zwischen Kapitän und Stoker
etwa einen Meter größer geworden ist,
leidet natürlich etwas die Verständigung.

Dafür kann man aber bei Bedarf
Auge in Auge kommunizieren
ohne ab zu steigen.

 

2. Nachtrag: 2010-10-02

 

Die Schraubbefestigung der Deichsel erfüllte zwar ihren Zweck,
entsprach aber noch nicht so ganz
meinen Vorstellungen von wirklich funktionalem Zubehör.
Insbesondere dann, wenn das zweite Trike unterwegs
mal abgekoppelt werden und solo unterwegs sein sollte.

Deshalb überlegte ich mir, wie ich die Schraubbefestigung
durch eine Steckbefestigung ersetzen könnte.

Die Skizzen zeigen (hoffentlich) wie's gemeint ist.

Für die Lösung des Problems konnte ich
die M6x50-Schrauben weiter verwenden.
Ich musste nur das Gewinde verlängern,
damit ich sie umgedreht in die Gabel schrauben konnte.

Was da innen über steht,
stört zwar etwas beim Einsetzen des Vorderrades,
danach ist es aber nicht mehr im Weg.

Von oben sieht man deutlich die vorstehenden Schraubenköpfe,
auf denen die Steckhalter der Gabel Halt finden sollen.

Als Steckhalter dienen die beiden Rohrhülsen aus 12x1 mm VA-Rohr,
die ich mit sehr viel Geduld und Ausdauer von Hand hin gerichtet habe.

Daneben liegen zwei ehemalige Speichen, die dafür sorgen,
dass die Schraubenköpfe in den Rohrhülsen fest gehalten werden.

Die Rohrhülsen mussten natürlich noch innen an die Deichsel geschweißt werden.
Die Sperrfedern habe ich einfach fest genietet.
Die “Schwalbenschwänzchen” an deren Enden
erleichtern das Spreizen der Federn beim Aufstecken.
Andernfalls hätte ich mit meinen “zierlichen Bratwurstfingerchen”
leichte Probleme.

Die Deichsel kann nun jederzeit mit wenigen Handgriffen
und ohne Werkzeug montiert oder demontiert werden.

Jetzt ist es genau so,
wie ich mir das im Grunde
schon immer gewünscht hatte.

Zugegeben,
da waren zwar einige Umwege.
Aber wen stört das, wenn das Ergebnis
mehr als zufrieden stellend ist.

3. Nachtrag – Nochmal zum Vergleich


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