rt-go: 2006-06-22

Theorie und Praxis

beim Modell Vatertag

So war es zunächst “geplant”.

Ehlicherweise muss ich dazu sagen, dass es eigentlich nicht geplant war, sondern einfach nur so eine Schnapsidee (“brain storming” wie man heute sagt). Die Phantasie (so man welche hat) entfaltet sich einfach wie der Schirm über dem Lepus.

Weil aber nicht jeder geistige Ergussmus eine Schnapsidee bleiben muss, kamen dann schon bald die ersten praktischen Versuche:

  1. Exakte Messungen am lebenden Opfer (Fahrer, ich / mir ;-) ergaben, dass die Tischsäule eine Höhe von 55 cm haben musste, damit noch etwas Kniefreiheit blieb.
     
  2. Außerdem stellte sich heraus, dass bei der Tischplatte ein Durchmesser von 24 cm völlig ausreichend war. Mehr hätte nicht mehr Nutzen, sondern nur mehr Ballast bedeutet und zudem den Raum für die Ausdehnung des Bierbauches drastisch beschnitten.
     
  3. Auch beim Schirm wurde etwas Masse reduziert und das 2-Meter-und-Nochwas-Modell “Gartenlokal” durch das Modell “Tragbar” mit 120 cm Durchmesser ersetzt. Das war nicht nur billiger (4,95 €), sondern auch erheblich leichter.


Zugegeben, ganz so urig, bodenständig und stabil wie der erste Entwurf (s. o.) sieht das nun realisierte Modell nicht aus. Aber, es sollte ja nicht nur ein lustig an zu sehendes Standmodell, sondern zumindest eingeschränkt fahrbar sein. Und das ist es:

Der Tisch macht keine Probleme, kann auch beim “normalen Fahrbetrieb”, wenn's nicht gerade quer über den Rübenacker geht, montiert bleiben und könnte dabei sogar ganz nützlich sein (Die nächste Idee für weiteres Zubehör gedeiht schon langsam im Hinterkopf ;-).

Der Schirm ist jedoch beim Fahren etwas problematisch. Nicht etwa nur, weil man damit Passanten verletzen könnte, dafür würde das Rad alleine auch schon genügen , sondern vor allem auch, weil Querdrehungen des Lepus den Schirm heftig ins Schwingen bringen. Das könnte sogar so weit gehen, dass das (sehr dünne) Schirmgestänge ganz ab knickt. So weit möchte ich es aber gar nicht erst kommen lassen. Ich werde deshalb den Schirm nur im Stand oder bei langsamen Spaßfahrten auf bekanntem Terrain aufgespannt verwenden und ihn sonst lieber als Gepäck transportieren.

Die 2-Km-Proberunde im Ort, zur Eisdiele und zurück, hat aber alles völlig unbeschadet überstanden. Dabei habe ich selbstverständlich heftige Erschütterungen vermieden, habe Straßenkanten ganz langsam genommen und bin nicht schneller als 15 Km/h gefahren. Das aber auch, weil ich ja unterwegs mein Eis essen wollte.

Kommentare wie: “Geht's Ihnen gut?” konnte ich aus vollem Herzen mit “Ja, und wie!” beantworten.

Nachtrag vom 14.07.2006

Nach dem Probelauf im Ort musste das Modell Vatertag heute endlich seine volle Tauglichkeit beweisen:

  • Der erste Teil des Härtetests bestand in der Fahrt über den an anderer Stelle beschriebenen Selztalradweg R2 von Gau-Odernheim nach Alzey (~10 Km) mit montiertem Tisch, aber verpacktem Schirm.
  • Im zweiten Teil ging es mehrfach kreuz und quer (~10 Km) durch Alzey. Dabei war der Schirm montiert und aufgespannt. Die Fahrt im normalen Verkehr brachte es mit sich, dass auch etliche Bordkanten, Temposchwellen und andere Hindernisse zu erheblichen Erschütterungen führten. Einziges Problem war aber, dass mir bei einer Bergabfahrt mit etwa 28 Km/h eine plötzliche Windbö den Strohhut vom Kopf riss.
  • Auf dem dritten Abschnitt, der Heimfahrt (~10 Km), habe ich trotz kräftigem Gegenwind den Schirm offen gelassen. Ich konnte so zwar nur noch das halbe Tempo fahren, aber fest stellen, dass der Schirm alles klaglos mit macht. Lediglich eine plötzliche, sehr heftige Bö hat den Schirm etwas deformiert. Das Gestänge hat aber alles unversehrt überstanden.

Fazit

Das Zubehör übertrifft alle Erwartungen und kann problemlos eingesetzt werden.

Details für potenzielle Nachahmer

Für alle Zeitgenossen, die sich ebenfalls diesen Spaß gönnen und ihr Lepus oder Kettwiesel endlich vollständig ausstatten wollen, folgen hier ein paar Einzelheiten, die den Nachbau hoffentlich erleichtern:

Zur Befestigung am Hauptrohr des Rades dient bei mir eine 49er Rohrschelle aus Stahl mit zwei Schrauben (M10x40), vier Unterlegscheiben und zwei Muttern. Eine davon selbst haltend, damit man den ganzen Kleinkram (10 Teile) nicht immer einzeln transportieren muss. Um Lackschäden zu vermeiden wurde eine Lage rotes Isolierband drunter geklebt. Die Schrauben sollte man gerade so fest anziehen, dass der Tisch sich nicht mehr nach der Seite drehen lässt, aber das Hauptrohr trotzdem unbeschädigt bleibt.

Mit der Schelle im nicht rechten Winkel (damit es senkrecht steht) verschweißt ein Stahlrohr, Länge ca. 570 mm, Durchmesser innen 30 außen 32 mm. Das war früher mal der Erdspieß eines Sonnenschirms.

Daran mit 550 mm Abstand (Kniefreiheit) fest geschweißt ein Flansch fast beliebiger Abmessung aus Stahlblech zur Befestigung der Tischplatte.

Als Tischplatte ein Stück Multiplex (ca. 16 mm stark), rund mit etwa 24 cm Durchmesser, weil die passende Schablone (Teller) halt so groß war.

Als Halter für den Schirm habe ich den beigefügten ansteckbaren hölzernen Handgriff (Durchmesser ca. 28 mm) verwendet und ihn mit zwei Schrauben im “Tischbein” fest geschraubt. Dadurch kann man den Schirm ganz bequem ein stecken und ein rasten. Zur Verschönerung ein Plastikteil aus der Sanitärabteilung, mit etwas Heißkleber befestigt, das den unschönen Übergang verdeckt.

Für die Lackierung wurde übrigens auf passender Grundierung ein Lack aus der Sprühdose (Feuerrot, RAL 3000) verwendet.

Na dann viel Erfolg und viel Spaß!

Und bei weiteren Fragen Emil vorbei schicken:


 

 zurück  Index Rad

Rad mit Zound? 

Alles gesehen - nix kapiert - alles von vorn gucke!

zur Homepage / Neustart:
rt-go-Homepage