rt-go: 2008-05-08 / 2009-04-01

Gepäckträger

Die Situation

Unsere beiden “lepores” sind mit Gepäckträgern ausgestattet.
2006 gab's ein Gepäcknetz und 2007 eine Gepäcktasche.

Beide haben ihre Vorzüge und gefallen uns eigentlich ganz gut. Die Wermutstropfen kommen, sobald man die Gepäckträger auch tatsächlich benutzt. Weil diese (eigentlich ganz genial) an den Trägern der Schutzbleche befestigt sind, passiert es immer wieder, dass das Gepäck in einer Kurve so stark nach außen drängt, dass die offenbar viel zu weichen Schutzblechträger verbogen werden. Die tragen zwar in der einen Richtung für die sie gedacht sind (senkrecht), aber eben nicht quer dazu. Dann schleifen die Schutzbleche an den Rädern und man muss unterwegs im Fahren hinterrücks suchen wo die Stelle ist, um das Schutzblech wieder weg zu biegen. Das hält dann bis zur nächsten Kurve und steigert natürlich den Fahrspaß ungeheuer.

Da kann man nur hoffen,
dass man den Verantwortlichen nie in die Finger bekommt,
damit man nicht straffällig wird.

Hinzu kommt, dass man diese kolossal praktische Tasche, wenn man zum Übernachten ins Hotel will, erst mal demontieren und dann mitsamt dem Alurohr und dem Rücklicht aufs Zimmer schleppen darf.

Das ist doch zünftig.
Mein Rücklicht hab ich immer dabei.

Und am nächsten Morgen darf man dann alles wieder montieren
und die Kabel ans Rücklicht fummeln.

Als ich neulich sah, wie ein Kettwieselfahrer einen Strandstuhl zum klappbaren Gepäckträger an seinem Rad umgebaut hat, reifte bei mir die Idee, etwas Ähnliches zu versuchen. Weil ich aber kein passendes Ausgangsmaterial (Strandstuhl) finden konnte, stellte sich mir die Frage, mit welchem Material ich einen Eigenbau versuchen sollte.

Weil es leicht und stabil und auch einfach zu bearbeiten ist,
entschied ich mich dafür, vorwiegend Holz zu verwenden.

 

Praktische Suche nach der besten Lösung

Natürlich könnte man den Gepäckträger
an den (schwarzen) Rohren des Hinterbaus befestigen.

Weil der aber klappbar ist und bleiben muss,
gäbe es dann eventuell ein Problem.

Die Alternative:
Die Befestigung am Hauptrohr erschien mir zwar schwieriger,
aber auch vorteilhafter,
weil der Träger und das Gepäck mit gefedert werden.

Außerdem sollte ja der Tandembetrieb
ohne große Umbauten möglich bleiben.

Die Stellen wo die Aufhängung erfolgen soll,
sind schon vorsorglich mit kurzen PVC-Röhrchen überzogen,
damit der Lack heil bleibt.
Der Hocker hat zufällig die passende Höhe
und erleichtert die “Anprobe”.

Eine fast schon passende Multiplexplatte von 60 x 50 cm
soll der späteren Größe langsam entgegen schrumpfen.

Ein Kunststoffbehälter, der später das Transportgut aufnehmen soll, ...

... hat zur Anprobe Platz genommen.

Das Rücklicht, das (s. rechts) am hinteren Rohr des Gepäckträgers befestigt war, musste direkt am Hinterbau befestigt werden, damit es vom Gepäckträger unabhängig ist.

 

Die Konstruktion

Zwei Buchenholzbretter sollen die Platte tragen.

Weil Holz keine Zugspannung aushält,
habe ich die Aufhänger aus 3mm starkem Alu-Blech gefertigt.
Ein Stück, 3 mm x 100 mm x ganz lang,
hatte ich in einer örtlichen Werkstatt aufgetrieben.

Hier hängt der Rohbau am Rahmen.

 

Die Platte liegt so hoch, dass genug Platz zum Einfedern bleibt
und ein Transportbehälter aus Kunststoff passt auch drauf.

Bei Bedarf kann man den Gepäckträger,
natürlich ohne die Kiste, einfach hoch klappen.
Weil er nur aufgesteckt ist,
kann man ihn aber auch mit einem Handgriff ganz entfernen.

Theorie ist gut und notwendig, aber letztlich entscheidet die Praxis. Und weil staubige Holzarbeiten durstig machen, liegt es nahe,
zur Probe einfach mal eine Bierkiste zu befördern.

Erst mal das Leergut weg ...

... und dann die volle Kiste zurück.

Hier natürlich kein “Light”, es soll ja eine Belastungsprobe sein.

Nachdem diese erste Probefahrt erfolgreich war,
habe ich den Gepäckträger weiter gebaut.
Außen vier Holzleisten, die verhindern sollen,
dass das Transportgut von der Platte rutschen kann.
Die Löcher lassen zwar auch ggf. das Wasser ablaufen,
vor allem aber bieten sie Befestigungspunkte für Expander.

Die U-förmige Holzleiste oben sorgt für die seitliche Führung
und überträgt die Kraft auf die Kontaktstelle am Trike.

Alle Holz-Verbindungen sind einfach geleimt.
Nur die Alu-Haken sind mit M5 x 30 fest geschraubt.

Der fast fertige Gepäckträger.

Von unten kann man sehen, wie's funktioniert.
Oben hinten mit den Alublechhaken eingehängt.
Unten vorn mit der Holzleiste geführt und abgestützt.
Dort habe ich noch einen Filzstreifen eingeklebt,
um zu verhindern, dass das Holz den Lack abscheuert.

Zwei passende Expander halten die Transportkiste fest.
Sie lassen sich ganz bequem zur Seite ziehen
 und geben dann den Deckel und die ganze Kiste frei
oder halten alles auf dem Träger fest.

Die zweite Probefahrt von 20 Km zeigt,
dass der Gepäckträger und die Kiste keine Probleme machen.
Nur auf solchem Pflaster wie hier
bekommt man sie selbstverständlich und unvermeidlich zu hören.

Aber auf dem Pflaster höre ich sogar meinen Unterkiefer klappern.

Die kleine orange Tasche habe ich am Sitz fest gezurrt
und für all die Kleinigkeiten, die man unterwegs braucht,
immer dabei.
Wenn der Gepäckträger benutzt wird,
macht sie sich, wie man weiter oben sehen kann,
hinter dem Sitz dünn.

 

Fazit

Auch wenn die Langzeiterfahrung noch fehlt, kann ich jetzt schon sagen, dass mich die Konstruktion voll zufrieden stellt. Die Schutzbleche bleiben jetzt endlich dort wo sie hin gehören, scheuern nicht mehr an den Reifen und nerven nicht mehr.

Die maximale Tragfähigkeit werde ich natürlich nicht ermitteln, indem ich den Träger bis zum Bruch belaste. Ich begnüge mich mit dem, was ich schon ausprobiert habe. Wenn ich am hinteren Ende stark genug auf den Träger drücke, hebt vorne das Rad ab. Wenn man sich die Hebellängen betrachtet, wird klar, dass die Festigkeit ausreichen dürfte. Aber die Praxis wird es zeigen.

Selbstverständlich habe ich den Träger noch mit Bootslack gestrichen, damit er wasserfest ist.

Jetzt bringt er 1.966 g auf die Waage.
Die zwei Expander steuern noch mal 100 g bei.
Die 50 Liter Kunststoffkiste bringt es auf 1.960 g.
Macht zusammen 4.026 g.

Damit kann ich leben und bequem
meine kleineren Einkäufe nach Hause bringen.

 

Überraschung

An meine Einkaufskörbchen mit 620 Gramm pro Stück, die ich sonst gerne benutze, hatte ich gar nicht gedacht. Als ich sie jetzt einfach mal so drauf gestellt habe, konnte ich es nicht fassen. Die passen als wäre alles füreinander gemacht. Zwei Körbchen passen nebeneinander drauf und klemmen sich zwischen Sitz und hinterer Leiste von selbst leicht fest. So dass man gar keine weitere Befestigung braucht. Für die Einkäufe im Ort ist das natürlich eine sehr bequeme Alternative zu der 50-Liter-Kiste.

A propo 50-Liter-Kiste. Die Kiste, in der ich üblicherweise die Glasflaschen für das Recycling sammle, ist natürlich auch genau so eine. Deshalb verwundert es nicht, dass sie auf den Träger passt. Und sie steht ohne zusätzliche Befestigung fest drauf. Beim Transport klappern natürlich die Flaschen etwas. Ich hab's heut gleich mal aus probiert. Aber das haben sie schon immer gemacht. Es hat mich jedoch auf eine Idee gebracht.

Ich könnte doch die Kiste immer drauf stehen lassen.
Das wäre eine raffinierte zusätzliche Diebstahlsicherung.
Denn wer das Trike bewegt oder die Kiste weg nehmen will,
wird das wohl nicht lautlos schaffen.

Ok, ich geb's zu. Manchmal kann ich auch richtig fies sein.

 

Nachträge

21.05.2008

Auf dem Baumarkt habe ich zufällig
genau solche bunten Steine entdeckt, wie sie mir noch fehlten.
Also habe ich nicht lange überlegt, sondern gezahlt,
eingeladen und die 24 kg einfach nach Hause gefahren.
Alles kein Problem.
Nur hohe Bordsteinkanten muss man natürlich meiden.
Aber das mache ich ja sonst auch.

 

09.06.2008

Mir ist eingefallen, dass man das Trike bei Bedarf ja auch einfach hochkant stellen können sollte.

Also habe ich es halt probiert.

Nur mit Gepäckträger ist das gar kein Problem.

Aber mit Kiste auch nicht.
Ohne Gurte kippt die zwar etwas nach hinten,
lässt sich aber zusammen mit dem Trike wieder auf richten.

Nur mit der Bierkiste drauf
habe ich das noch nicht ausprobiert.

 

12.06.2008

Auch 32,2 kg Getränke in Glasflaschen
haben den Weg vom Supermarkt bis nach Hause
heil überstanden.

 

15.07.2008

Mach's mit Gummi!

Um den großen Pflanzkübel zu transportieren,
musste ich drei Expander, eine Seilschlinge
und einen Karabinerhaken zum Einsatz bringen.
Damit hat dann aber alles bestens gehalten.

In dem großen Kübel steckt übrigens noch ein etwas kleinerer
und die beiden Untersetzer stecken in der Kiste.

 

01.04.2009

Niemand soll sagen,
er wäre nicht gewarnt worden.

Damit mir da unterwegs ja keiner an die Bio-Nahrung geht!
Oder:
Wer da dran geht, riskiert sein Leben.


 

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