rt-go: 2006-11-02

Ergonomie beim Lepus

Das Lepus ist ein schönes Rad und ich möchte es nicht nur nicht mehr her geben, sondern sogar noch ein zweites anschaffen, um mit meiner Frau im Tandem zu fahren.

Davon abgesehen hatte ich aber schon immer den Verdacht, dass da mit der Ergonomie Einiges nicht ganz stimmt. Während nämlich das Zweirad meiner Frau, das Culture, wie ein Butterstückchen in der Pfanne fährt, bewegt sich das Lepus nach meinem Eindruck immer etwas widerspenstig und zäh. Eigentlich sollte es ja, wenn es in Bewegung ist, in der Ebene noch eine gewisse Strecke ohne Antrieb weiter rollen. Nach meinem Eindruck bleibt es aber viel zu schnell stehen. Es will mir einfach nicht einleuchten, dass das nur daran liegen sollte, dass es ein Dreirad ist und ein paar Kilo mehr wiegt.

  • Ein Grund sind m. E. die Lager, die ausnahmslos nicht so leichtgängig sind, wie sie eigentlich sein sollten.
  • Ein weiterer scheint die Kette zu sein, die nicht in einer Ebene läuft, sondern ständig seitlich in Bögen gezwungen und dabei in sich verdreht wird.
  • Ein dritter Grund ist die absolut mangelhafte Einstellung der Spur. Da lässt sich zwar ganz grob etwas verstellen und so geringfügig verbessern, aber genau richtig wird es dann auch nicht. Und mit den Rädern quer über den Weg zu radieren, kostet natürlich nicht nur Profil, sondern auch Energie. Mit all diesen Problemen werde ich mich auch weiterhin noch auseinander setzen.
  • Ein vierter Grund, der mit dem Rollverhalten natürlich nichts zu tun hat, war die Körperhaltung, die mir nicht optimal erschien. Da lässt sich zwar Einiges einstellen und anpassen, aber so richtig befriedigend ist es dann leider doch nicht.

Ab Werk bzw. Händler war der Sitz vorne in der oberen Position montiert und stand deshalb zwangsläufig sehr flach. Das erlaubt zwar ein sehr bequemes Liegen, aber keine ergonomische Haltung beim Fahren. Nachdem ich irgendwann (endlich) entdeckt hatte, dass man den Sitz an der vorderen Befestigung auch in einer unteren Position montieren kann, habe ich das natürlich gemacht und fest gestellt, dass man so, bei der steilst möglichen Lehnenstellung zu einer wesentlich ergonomischeren Haltung kommt. Außerdem war der Abstand zwischen Tretlager und Sitz nach den üblichen Regeln eingestellt. Wie ich feststellen konnte und musste sind die beim Lepus aber zumindest nicht ganz richtig. Deshalb habe ich den Abstand zwei Mal um einige Zentimeter in Richtung kürzer korrigiert.

Durch den Bericht: “Welches HPV für mich – 2 oder 3 Räder?” von Helge Schrenker bin ich auf die generellen ergonomischen Probleme beim Rad fahren aufmerksam geworden.

Er hat u. a. fest gestellt, dass der Winkel zwischen Rückenlehne und Tretlager kleiner als 130° sein sollte.

Beim “Lightning P 38” beträgt er maximal 130°

und beim “Nöll SL5 Fully” ebenfalls,
lässt sich aber bei beiden durch eine steilere Sitzneigung verringern.

Bei meinem Lepus sind es durch die genannten Änderungen ~120° (im Bild). Am Rad selbst habe ich sogar nur ~115° gemessen.

Des Weiteren hat Helge Schrenker fest gestellt, dass der “Beinmotor” am besten funktioniert, wenn der Körperöffnungswinkel, der Winkel zwischen Oberschenkel und Rumpf, bei der Pedalstellung mit der größten Krafteinleitung (beim Lepus nahe der Senkrechten) zwischen 70° und 100° liegt.

Weil dieser Winkel bei der bisherigen Einstellung meines Lepus bei mir größer war, habe ich das Tretlager einfach mal auf 10 cm kürzere Distanz gestellt.

Das Ergebnis war zunächst umwerfend:

  1. Eine sehr kurze leichte Steigung in der Nähe, die ich gewöhnlich im 3. bis maximal 5. Gang (bei der Shimano 8-Gang Nabe) hoch gefahren bin, habe ich versehentlich im 8. Gang genommen und war oben, bevor ich auch nur ans Schalten gedacht habe.
  2. Bei einer 20-Km-Tour zum Einkauf in der Kreisstadt bin ich mit Anhänger schneller gefahren als sonst ohne.

Allerdings musste ich auch fest stellen, dass das Fahren bzw. Sitzen bei Weitem nicht mehr so gemütlich war wie zuvor und außerdem die Füße einschlafen, also nicht richtig durchblutet werden. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass die Beine jetzt nicht mehr ganz gestreckt werden. Mit gestreckten Beinen, wenn auch nur kurzfristig und im Wechsel, fährt man selbstverständlich viel entspannter, als wenn die Beine ständig zwischen Pedal und Hüftgelenk “eingespannt” sind. Außerdem, und das scheint mir gravierender, bilden Unter- und Oberschenkel häufig einen spitzen Winkel. Das finde ich ganz besonders unbequem. Da werden beim Strecken der Beine Muskeln beansprucht, die offenbar nicht daran gewöhnt sind. Durch Beobachtung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Winkel zwischen Unter- und Oberschenkel nicht kleiner als 90° werden sollte. Andernfalls muss der Unterschenkel-Strecker zu viel von der Arbeit verrichten, die man besser dem Oberschenkel-Strecker überlässt.

Ich habe deshalb die Distanz zum Tretlager wieder um ~4 cm vergrößert und finde diese Einstellung nun ganz brauchbar. Ob das auf Dauer so bleibt wird sich zeigen.

Eigentlich müsste man den Winkel, den ich auf 120° (bzw. 115°) gebracht habe noch etwas weiter verkleinern, ohne den Tretlagerabstand zu verringern. Dazu müsste man die Sitzlehne jedoch noch steiler stellen. Das geht aber nicht. Außerdem steht sie jetzt schon so steil, dass ich manchmal das Gefühl habe nach vorne zu kippen. Eine etwas flachere Sitzneigung wäre mir eigentlich sehr viel angenehmer.

Die einzige Alternative wäre eine höhere Position des Tretlagers. Die lässt sich aber leider nicht ändern. Deshalb suche ich nach einer Möglichkeit, zu Versuchszwecken ein anderes Tretlager zu montieren. Wann ich dieses Problem angehen kann und zu welchen Ergebnissen das führt, bleibt ab zu warten.

Hinweise und Anregungen sind natürlich immer willkommen.
Einfach Emil schicken:


 

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