rt-go: 2007-04-07

Anhänger-Tuning


 

Nicht, dass er mir nicht schnell genug gewesen wäre. Nein, er war mir sogar zu schnell. – Jedenfalls beim Umkippen.

Bei einer so schmalen Spur und einem so hohen Schwerpunkt muss man sich allerdings auch gar nicht wundern, dass der Hänger keine Gelegenheit zum Umkippen ungenutzt lässt. Dazu gehören insbesondere Bordsteinkanten, wenn man sie nicht ganz langsam und mit beiden Rädern gleichzeitig überfährt.

Genau das ist aber oft gar nicht möglich. Hier z. B. kann man ja nicht über die halbe Hauptstraße ausholen um erst “quer” vom Bordstein runter und dann wieder “quer” drauf zu kommen. Und bei jeder Einmündung trotz Vorfahrt bis auf Null Km/h ab zu bremsen und dann aus dem Stand wieder los zu fahren, kann's ja wohl auch nicht sein. – Bliebe nur, auf der Hauptstraße zu fahren und sich das Hupen der verärgerten, besserwisserischen und rücksichtslosen Autofahrer an zu hören.

So macht Rad fahren richtig Spaß!
Dabei wurde hier doch extra Geld für die Radfahrer ausgegeben.

Weil man solche Zustände ständig an trifft und die halb abgesenkten Bordsteine ja sogar fast schon als positive Beispiele gelten könnten, habe ich nach einer generellen Lösung gesucht und die nächstliegende natürlich auch sehr schnell gefunden. Sie heißt selbstverständlich:

Verbreiterung und Tieferlegung.

Wenn man sich die Kübelkarre mal genauer an sieht, fällt auf, dass sie mit der geringen Spurbreite und dem extra hohen Schwerpunkt geradezu als “Kipper” konstruiert zu sein scheint. Das muss einfach geändert werden. Da fragt sich nur: “Wie geht 'einfach'?”

Wenn der untere Rahmen auf den Kopf gestellt wird, kommt er genau um 10 cm nach unten.

Das ist schon eine deutliche Tieferlegung, die ich von Anfang an in Erwägung gezogen hatte. - Leider passt nun natürlich der Kübel nicht mehr zwischen die Räder, weil da irgend ein Schmalspurdenker an der falschen Stelle ein paar läppische Zentimeter eingespart hat.

Der Rahmen ist, dem Kübel entsprechend, unten 9 cm schmäler als oben. Wenn man nun den unteren Rahmen um 18 cm verbreitert, kann man die schrägen Streben umgedreht mit der gleichen Neigung in die andere Richtung ein setzen und der obere Rahmen und der Kübel passt genau so wie vorher.
 


vorher


nachher

 
Das ist dann die Verbreiterung, die natürlich nur durch entsprechende Schlosser- und Schweißarbeit vollbracht werden kann. Genau deshalb hatte ich zunächst darauf verzichtet.
(Inzwischen weiß ich, dass es auch ohne geht, s.u. bei “Uli hat es nach gemacht”.)

Aber mein örtlicher Händler hat mir wieder den gewünschten Umbau für einen echten Freundschaftspreis durchgeführt. Und zwar so, dass es daran absolut nichts auszusetzen gibt.

Der Hänger ist jetzt mit 84 cm fast so breit wie das Trike (85 cm) und sieht dank Tieferlegung und Verbreiterung so aus, als ob er in die Racing-Abteilung gehörte. “Mit Hundert durch die Kurve” dürfte da eigentlich gar kein Problem sein.

Ohne den Aufbau sieht er richtig gut aus, so tief und so breit.
Da möchte man doch am liebsten auf den Aufbau verzichten und allenfalls eine verchromte Doppelrohr-Auspuffblende montieren.

Der Boden aus 9 mm starkem mit Bootslack gestrichenen Multiplex  musste natürlich durch einen größeren (73 x 59 cm) ersetzt werden, damit man auch mal ohne die Wanne etwas Sperriges transportieren kann. Man muss es eventuell nur gut fest zurren.

Und  - kleiner Nebeneffekt -  jetzt erfüllt der Hänger endlich die “Zwei-Bierkasten-Norm”, d. h. jetzt passen endlich zwei Kisten hintereinander quer hinein.

Und, wenn man wegen des dann doch wieder höheren Schwerpunktes sehr langsam fährt, kann man sogar noch zwei oben drauf packen.

Aber immer daran denken:

Vor allem “Light” (ich bevorzuge Jever light, siehe Bild) reduziert die Kippneigung (beim Fahrer). Und natürlich darf man auch völlig “bleifreies” Bier oder ganz andere “leichte” Getränke transportieren.

Allerdings kann man auch überraschend die unangenehme Erfahrung machen, dass einen sogar Wasser umwerfen kann, wenn man zu viele Kisten übereinander stapelt.

 

Maße und Gewichte

    

Abmessungen:

118 cm   Länge (inklusive Kupplung)
73 cm   Länge Holzboden
83 cm   Länge Wanne (außen)
84 cm   Breite (maximal)
~70 cm   Spurbreite
55 cm   Höhe
15 cm   Bodenfreiheit (minimal)
     
   

Gewichte:

14,2 kg   Anhänger ohne Wanne
3,2 kg   Wanne mit Plane
17,4 kg   Anhänger komplett

 

Erste Testergebnisse (vom April 2007)

Es war leider zu erwarten und ist nicht zu übersehen: so geht es nicht.

Diese bescheuerte Schikane ist, zusammen mit noch 4 gleichartigen auf einem Kilometer, zum ernsthaften Hindernis geworden und schließt mich künftig von der Benutzung dieses Radweges aus. Anderen geht es allerdings genau so. Tandems und Räder mit Kinderanhängern z.B. passen da nur durch, wenn man viel um die Ecke hebt und kräftig zerrt. Von Rad-fahr-weg zu sprechen wäre da der pure Hohn.

Aber so war das ja vielleicht sogar gedacht,
damit der Ort nicht plötzlich vom Fahrradtourismus überrollt wird.

Fazit

   Das Gespann fährt sich jetzt endlich so wie man das erwartet.
Der Anhänger hoppelt natürlich, wenn es über Hindernisse geht. Aber man muss nicht dauernd fürchten, dass er um kippt. Bisher verliefen jedenfalls alle Fahrten völlig problemlos. Ich hoffe und erwarte, dass das auch so bleibt.

 

Nachtrag

Es versteht sich eigentlich ganz von selbst, dass so ein rasanter Anhänger nur “männlich” sein kann. Und genau deshalb musste da vorne unten selbstverständlich auch noch eine Kleinigkeit angebracht werden.

Damit dann aber nichts Unerwünschtes passieren kann, habe ich rein präservativ (de: vorsorglich) einen Gummi drüber gezogen.
 

Nachbau

Uli hat es nach gemacht


 

 zurück  Index Rad

Feststellbremse statt Klettband

Alles gesehen - nix kapiert - alles von vorn gucke!

zur Homepage / Neustart:
rt-go-Homepage