rt-go: 2011-01-09

Vier-Rad-Träumereien

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Natürlich hätte ich die Seite Kreislauf des Lebens um schreiben können.

 Aber das wäre dann gelogen.

Statt dessen schreibe ich hier lieber, wie es wirklich war.
Jedenfalls aus meiner, selbstverständlich subjektiven Sicht.

Im Mai 2006 habe ich mir ein Dreirad (Lepus von Hase) angeschafft und bin damit sehr eifrig (> 1.400 km im Jahr) und mit viel Spaß umher gefahren.

Im Juni 2007 kam dann unser zweites Lepus dazu. Weil wir festgestellt hatten, dass das Fahren im Tandem noch viel mehr Spaß macht, als einander einzeln und mit Abstand hinterher zu fahren.

Bei unseren gemeinsamen Touren und bei meinen alltäglichen Fahrten habe ich dann zwangsläufig auch einige negative Erfahrungen gesammelt. So ein Deltatrike wie das Lepus zu fahren, macht zwar normalerweise viel Spaß. - Der kann jedoch auch seine Grenzen erreichen.

  • Durch die Bauart bedingt und durch den relativ hohen Schwerpunkt (mindestens 50 cm Sitzhöhe) kann das Trike (leicht?) kippen. Jedenfalls, wenn man so fährt, wie ich das gelegentlich gern mal mache. Und wenn ich mich und das Trike dann im letzten Augenblick notgedrungen bremse, reduziert das etwas meine Begeisterung. Falls ich es jedoch nicht tue, noch erheblich mehr.
  • Durch die Ausstattung (zu große Entfaltung) bedingt, ist das Fahren bergauf sehr mühsam bis unmöglich. Jedenfalls wenn's in Richtung 20% Steigung geht. Auch das begrenzt deutlich den Spaß. Und die Tatsache, dass sich da nachträglich nur sehr schwer etwas ändern lässt, ist sogar richtig ärgerlich. Insbesondere, weil es nur darauf beruht, dass der Konstrukteur offenbar schon vor dem zweiten Frühstück von seiner Leistung so begeistert war, dass er sofort das Denken eingestellt hat.
  • Außerdem mussten wir im Laufe von mehr als vier Jahren fest stellen, dass die Qualität bzw. Haltbarkeit dieser Trikes dem enormen Preis nicht gerecht wird. Häufige technische Pannen bereiten Ärger und auch der kostenlose Ersatz von defekten Teilen erspart einem nicht den Besuch und die Kosten der Werkstatt.
  • Und einige Details, die im Ansatz positiv erscheinen, enttäuschen letztlich, weil sie nicht konsequent zu Ende konstruiert wurden.

Es gibt aber auch Positives zu vermerken.

  • Die zwei Hinterräder sind eine sehr gute Voraussetzung für den bequemen Transport von allerlei Gepäck.
  • Das Ziehen eines Anhängers ist so unproblematisch wie es nur sein kann.
  • Und nicht zuletzt: Ein Tandem- oder Lindwurm-Betrieb ist anders kaum machbar.

Dazu muss ich allerdings anmerken, dass das nicht dem Hersteller, sondern der Bauart Deltatrike (vorne eins, hinten zwei Räder) zu verdanken ist und, dass ich in den oben genannten und anderen Punkten selbst ganz wesentliche Verbesserungen realisiert habe.
 

Fazit

Wer keine Berge erklimmen will und immer nur “zivilisiert” umher fährt, wird meine “negativen Erfahrungen” vielleicht selbst niemals erfahren und mit einem Deltatrike wie dem Lepus bestens zufrieden sein. Es sei ihm gegönnt.

Mir schwebt als “Traumrad” jedoch etwas vor, was meinen Bedürfnissen besser gerecht wird und zuverlässiger funktioniert. - Aber, wer weiß?

Kommt Zeit, kommt Rad !?

 

Nun begab es sich zu der Zeit ...

(es war wohl Anfang November 2008) ...

Völlig unvermittelt entdeckte ich auf liegeradmagazin.de einen Beitrag und Link zu utahtrikes.com und ein Bild von einem “Quad”, “QuadCycle”, “Quike”, “Vierrad-Fahrrad”, “Kettcar”, “Tretauto” oder wie man es auch nennen mag:

Dazu ein Video:
“Utah Quad at the skate park.”

Obwohl ich absolut keine Lust habe, mit einem Vierrad auf zwei Rädern zu fahren, und auch nicht (nur) in einem Skatepark cruisen will, hat mich das Video fasziniert, weil es großen Fahrspaß vermittelt hat. Außerdem haben mich die Daten dieses Quad beeindruckt: 204 kg Zuladung bei 19 kg Eigengewicht.

Bei uns muss man ja Angst haben, den Geldbeutel mit zu nehmen,
weil das Rad überlastet werden könnte.

 

Außerdem begab es sich just zu der Zeit, dass ...

Thomas Seide von Bike Revolution gleich drei neue Modelle präsentierte. Darunter war auch das Mungo. Ein “großer Bruder” des Mad Max.

Das Mad Max kannte ich schon und halte es für eine geniale Konstruktion, die mir allerdings (mit den 16"-Rädern) zu nahe beim KMX liegt und als Tourenrad und Lastesel für den Alltag weniger geeignet ist.

Das Mungo dagegen (mit den 20"-Rädern) erscheint mir wesentlich “erwachsener” und für die weniger amüsanten Alltagsaufgaben etwas besser geeignet. Zumal die Zuladung mit 180 kg auch dafür aus reicht. Es hat nur leider die Nachteile, die allen Trikes dieser Bauart (Tadpole = vorne zwei, hinten ein Rad) anhaften. Für den Transport beliebiger Güter und das Ziehen von Anhängern, also das, was man im Alltag braucht, ist ein Deltatrike (vorne ein, hinten zwei Räder) grundsätzlich besser geeignet.
 

Der “Zündfunke”

Nachdem ich nun beides, das Mungo und das Quad gesehen hatte, machte es irgendwo Klick bei mir. Es könnte im Kopf gewesen sein. Aber auf den genauen Ort möchte ich mich nicht unbedingt festlegen lassen.

Ergebnis war jedenfalls, dass ich vor meinem geistigen Auge, zwar leicht verschwommen aber trotzdem deutlich, eine Symbiose sah: Sie glich vorne dem Mungo ...

...  und hinten dem Quad aus Utah.

Das wär's doch!

Ein Lastenesel für den Alltag und ein agiles Spaßrad zugleich, das dank vier Rädern und niedrigem Schwerpunkt einfach alles mit macht.

Das war der “Zündfunke”. Aber diese “Eingebung” hatte zunächst noch keine direkten Konsequenzen.

Nur meine Faszination von dem Quad habe ich im damaligen Liegeradforum weiter gegeben. Und Thomas Seide war mit bei den Ersten, die sich auf das Thema eingelassen haben.

Da ergab es sich fast zwangsläufig, dass ich auch meine Vision von dem “Mungo-Quad” kommuniziert habe.

Die damit entfachte Diskussion führte ziemlich rasch dazu, dass Thomas das “Mungo-Quad” bis zur Spezi (25.+26.04.2009) bauen, und ich es ihm dort eventuell abkaufen wollte. Dabei war klar, dass wir uns vorher noch über die Konstruktions- und Ausstattungs-Details einigen mussten.

Kein Problem. - Urlaub kann ich immer.

Ich gönnte mir also einen größeren Ausflug und fuhr Anfang Februar 2009 zu Thomas nach Gänserndorf bei Wien. Dort konnten wir die Thematik ausgiebig diskutieren und ich hatte Gelegenheit einige Räder aus zu probieren. Natürlich auch das Mungo. Dabei habe ich zwar unbewusst wahr genommen, dass das Mungo für mich zu schmal, bzw. ich dafür zu breit gebaut bin. Aber irgendwie ist mir nicht klar geworden, dass das Vorderteil des künftigen Quads ja nichts anderes als das Vorderteil des Mungos sein würde.

Am 25.04.2009 bei der Spezi hatte Thomas tatsächlich das erste Quad aus seiner Produktion dabei.

Genau genommen war es noch gar nicht ganz fertig, weil da doch noch einige Teile fehlten. Aber immerhin hatte er es in der Nacht vorher noch so weit zusammen geschraubt, dass man es aus probieren konnte.

Das habe ich dann natürlich auch ausgiebig gemacht und dabei leider fest stellen müssen, dass es doch nicht ganz meinen Vorstellungen und Wünschen entsprach.

Die Zuladung von max. 220 Kg wäre zwar mehr als ausreichend gewesen, aber ...

Die Sitzposition war mir etwas zu tief und die Rückenlehne viel zu flach. Ich finde es äußerst unbequem so flach auf dem Rad zu liegen und den Kopf krampfhaft stark nach vorne biegen zu müssen, um auf die Straße sehen zu können. Außerdem hat man in dieser Lage keine Übersicht und kann nicht nach hinten sehen.

Der Abstand zwischen den Vorderrädern und zwischen den Lenkerenden war mir viel zu gering. In den Kurven haben die Vorderräder meine Oberschenkel bearbeitet und beim Lenken haben die Hände an meinen Hosen gerieben. Bei einer kurzen Spaßrunde kann man das akzeptieren. Beim alltäglichen Dauereinsatz jedoch nicht.

Die Fahrerin auf diesem Bild ist deutlich zierlicher als ich. Trotzdem hat sie genau die gleichen Mängel beklagt.

Außerdem hätte die zu geringe Bodenfreiheit einen Einsatz im Gelände aus geschlossen. Ich finde es zwar sehr angenehm, wenn ich auf ebenen und glatten Wegen fahren kann. Aber trotzdem darf unebenes Gelände für mich kein unüberwindliches Hindernis sein.

Dieses Quad kam daher für mich nicht in Frage.
Und ich kenne keinen, dem das mehr Leid getan hat als mir.

 

Ein Jahr später

Am 24.04. auf der Spezi 2010 habe ich dann ein anderes Quad gesehen.

Aber leider war dieses von meinen Vorstellungen mindestens genau so weit entfernt. Durch die extrem hohe Bauweise hat es zwar reichlich Bodenfreiheit. Fürs Gelände ist es aber trotzdem nicht geeignet, weil es bei dem hohen Schwerpunkt natürlich entsprechend leicht zur Seite kippt.

Das war's also leider auch nicht!

Inzwischen

Inzwischen habe ich mich weiter im Internet
um gesehen und auch Einiges gefunden.

Dieses “Mountain Quad” von “crank-it.com” z. B. zeigt einige durchaus interessante technische Details. Es entspricht aber auch nicht den Vorstellungen von meinem Traum-Rad. Und außerdem hat der Hersteller die Produktion, vermutlich wegen mangelnder Nachfrage, bereits ein gestellt.

 

Ganz zufällig bin ich jetzt auch auf dieses außergewöhnliche Quad gestoßen.

Das “Carv X” genannte Quad mit vier separat gefederten Rädern und Neigetechnik hat sicher überragende Geländeeigenschaften. Die Alltagstauglichkeit als Einkaufs-Rad und Lastenschlepper müssten allerdings erst noch überprüft werden.

Die Website “carvx.com” wurde 12/2003 erstellt. Die letzten Informationen stammen von 10/2004. Informationen über die technischen Details findet man nur spärlich. Über Ausstattungsvarianten und Preise ist nichts zu finden. Vermutlich ist leider auch dieses Projekt im Sande verlaufen.

 

Was bleibt?

Natürlich die Hoffnung.

Kommt Zeit, kommt Rad !?

 

 Vielleicht erscheint ja irgendwann doch noch
genau mein Traum-Rad auf dem Markt.
Und weil meine Wünsche gar nicht so exotisch sind,
würden sich sicher auch noch andere Käufer finden.

Für alle Fälle spar' ich schon mal.


 

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