rt-go: 2013-12-10

Di 10. Selge + Side

Martin macht schon vor 7 Uhr Rabatz. Deshalb kommen wir auch früh zum Frühstück und zeitig (8h30) auf die Piste. Der Weg nach Selge ist weiter als gedacht und zieht sich etwas, lohnt aber die Mühe.

Unterwegs entdeckt uns Mustafa, ein junger Motorradfahrer, der offenbar auf Kundenfang ist. Am Leihwagen erkennt er, dass wir Touristen sein müssen. Bei einem kurzen Fotostopp nutzt er die Gelegenheit und spricht uns an. Er informiert uns in gebrochenem Deutsch über die Sehenswürdigkeiten, die er uns natürlich alle zeigen könnte, und fährt auf Verdacht schon mal voraus.

An der alten römischen Brücke über den Fluss erwartet er uns und will uns überreden. Wir sollen in sein Schlauchboot steigen, damit er uns ein Stück flussaufwärts zu einem Wasserfall fahren kann.

Obwohl er nur zehn Euro dafür will,
verzichten wir auf dieses Abenteuer.

Statt dessen setzen wir lieber unsere Fahrt nach Selge fort, das 950m hoch in den Bergen liegt und nur über schmale und kurvenreiche Straßen zu erreichen ist.


Ein einsamer Hirte auf dem Weg nach unten.

Unterwegs versperren gelegentlich einzelne
oder auch ganze Herden von Ziegen die Straße.

Kein Problem, weil man hier ja eh nur langsam unterwegs ist.


Selge bei Google Maps


Ein Dorfladen in Selge.

Die Leute in dem 300-Einwohner-Dorf sind bettelarm und deshalb sehr daran interessiert, etwas dazu zu verdienen. Im Dorf ist an einer Stelle ein Tor, das verhindert, dass das Vieh, Ziegen und Kühe, durch laufen kann. Wobei Kühe den reicheren Einwohnern vorbehalten und deshalb selten sind.

Als wir halten, um das Tor für die Durchfahrt zu öffnen, wird Martin angesprochen und lässt sich zu einem Tee überreden. Ich bin zunächst gar nicht begeistert, freue mich nachträglich aber doch darüber.

Fatma lädt uns in ihr Haus ein. Am Eingang müssen wir natürlich unsere Schuhe aus ziehen und dürfen dann in die Stube. Darin befinden sich eine Art Couch, ein Eckschrank mit einem Fernseher, ein Holzofen und mitten drin am Boden ein einjähriges Mädchen im Tiefschlaf, das sich aber weder durch uns noch durch das laute Reden seiner Mutter aufwecken lässt.

Fatma kocht Tee und bietet ihn uns an. Während wir den Tee genießen, erzählt sie uns allerlei über sich und das Dorf. Obwohl sie nur fünf Jahre die (Grund)-Schule besucht hat, spricht sie beachtlich gut Deutsch. Sie ist 33 Jahre alt und verheiratet und hat 4 Kinder, von denen eins schon gestorben ist, weil sie in dem abgelegenen Ort natürlich keinen Arzt haben.

Weil es dort aber auch keine Arbeit gibt, beschäftigen sich alle Frauen mit Handarbeiten und häkeln z.B. einen Rand an Stofftücher. Die Männer kümmern sich ums Vieh oder fertigen z.B. Holzlöffel.

Fatma lässt sich gern fotografieren und zeigt uns auch ihre Fotos von der Familie, den Verwandten und von Touristen, die sie schon zu Besuch hatte. Wir bedanken uns bei ihr, zahlen etwas für den Tee und legen selbstverständlich noch ein ordentliches Trinkgeld drauf. Natürlich werden wir herzlich verabschiedet und dürfen gern wieder kommen.

Das alte römische Theater ist zwar schon reichlich ramponiert, aber gewaltig (~100m Durchmesser) und sehr eindrucksvoll. Dort halten sich etliche Frauen auf, die uns unbedingt etwas verkaufen wollen und uns regelrecht verfolgen. Die hartnäckigste folgt uns sogar bis zum Auto und will Martin einen Schlüsselanhänger für 2€ verkaufen. Als er endlich einwilligt, ihr dann aber nur 1TL50 anbieten kann, weil er nicht mehr Hartgeld im Geldbeutel hat, gibt sie es auf und lässt uns entkommen. Vielleicht sollte man sich das Beispiel merken für den Fall, dass man wieder mal irgendwo entkommen will oder muss.

Natürlich tun uns die armen Leute Leid. Aber wir sind ja nicht in der Lage, etwas an der Misere zu ändern.

 Panoramabilder von Selge


Auf der Dorfstraße.


Mit deutschen Touristen wird gerechnet.

Die Menschen sind sehr kontaktfreudig. Unterwegs werden wir bei einem Fotostopp von einem Hirten angesprochen. Er freut sich sichtlich darüber, dass er uns getroffen hat und ein paar Worte wechseln kann.

Erdoğan kämpft offenbar um jede Stimme und schickt seine Wahlkampfbusse sogar in die abgelegensten Dörfer. Gut, dass der dort, wir waren dabei, nur drei Leute beschallen konnte. Und ob die das Gelaber glauben, darf bezweifelt werden.

Auf dem Rückweg stellen wir fest, dass wir entweder mehr Benzin verbraucht haben, als wir zuvor geschätzt hatten, oder dass die Tankuhr viel zu wenig an zeigt. Vorsichtshalber tanken wir deshalb noch zehn Liter nach. Mit umgerechnet 1€80 pro Liter Normalbenzin ist das nicht gerade billig und in Anbetracht des hiesigen Lohnniveaus sogar ausgesprochen teuer.

Auf dem weiteren Rückweg machen wir noch einen Abstecher nach Side.  

Der Ort ist sehr viel größer, liegt bei Manavgat direkt an der Küste und ist “touristisch voll erschlossen”.


Die “Drosselgasse” von Side.
 

Durch einen Seiteneingang, der vermutlich geschlossen sein sollte, kommen wir ins Freilichtmuseum, wo an den Resten einer Basilika Arbeiten zur Restaurierung durchgeführt werden.

Hier sehen wir uns etwas bei den “alten Steinen” um
und legen dann eine Pause ein,
um einen Granatapfelsaft zu trinken
und den Blick aufs Meer zu genießen.

Als der Wirt eine Blechtonne an schleppt, in der er zur Erwärmung der Gäste Holzreste und bei der Gelegenheit gleich den Plastikmüll verbrennen will, ergreifen wir die Flucht. Martin sagt dem Betreiber des Feuers, dass er Giftwolken produziert. Der hat davon offensichtlich nicht die geringste Ahnung, beeilt sich dann aber, den Plastikmüll aus der Tonne zu entfernen.

Schließlich fahren wir nach Avsallar zurück, um unser Leihauto zurück zu geben und lassen uns von einem Mitarbeiter von Ali zum Hotel zurück bringen.

Das Abendessen im Hotel ist wieder zu unserer vollen Zufriedenheit.

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Mi 11. · Avsallar Markt 

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