rt-go: So 2012-11-04

Nordzypern

3.Tag

Nordwesten und Nicosia


Resort –> Güzelyurt –> Soli –> Nicosia –> Resort

Für heute haben wir eine Rundfahrt gebucht.

Deshalb treffen wir uns schon um 8 Uhr an der Rezeption.

Die Ausflugsgruppe ist nicht sehr groß, deshalb genügt ein kleinerer Bus.
Klein aber fein.
Bei 26°C draußen freuen wir uns über die Klimaanlage.

Zunächst fahren wir durch die Kyrenia-Berge,
die sich im Norden Zyperns an der Küste entlang ziehen.

Unser erstes Ziel ist Güzelyurt bzw. Morfou.

Hier steht die Kirche des heiligen Mamas.

Mamas, der lokale Heilige
ist vor allem der Schutzpatron der Steuerhinterzieher.
Seine Kirche wird deshalb nicht nur von den Zyprern geschätzt.

In der reichlich mit Ikonen ...

... und Lüstern geschmückten Kirche ...
(Müsste man 'lüstern' hier klein schreiben?)

... wird mit Wachsmodellen verdeutlicht,
bei welchen Körperteilen der heilige Mamas helfen soll.

Ob dem Kriegsveteran allerdings ein Bein nachgewachsen ist,
wurde nicht überliefert.

Einer der Heiligen mit Schein.

Im örtlichen archäologischen Museum nebenan
werden etliche Monstrositäten zur Schau gestellt.
(Wer damit erschreckt werden soll, ist nicht bekannt.)

                

Aber auch historische Fundstücke werden gezeigt.
Einige von ihnen sind sogar weltbekannt.
Aber ohne Zusammenhang und weitere Erklärungen haben wir nicht so viel davon.

Warum die Dame auf der Männer-Seite (MAN) Schlange stand,
während auf der Damen-Seite (WOMAN) nichts los war, ist unklar,
scheint aber die alte Bauernweisheit zu bestätigen:
“Wer lesen kann, kommt schneller auf den Topf.”
Oder so.

Unser nächstes Ziel war die Ausgrabungsstätte Soli (Soloi).

Die Anfänge der Siedlung werden auf etwa 1100 v. Chr. datiert.

Durch ein großes Dach geschützt, findet man Reste aus verschiedenen Kulturen.
Weil da aber, nicht wie sonst, das Neue über dem Alten,
sondern neben dran errichtet wurde, kann man heute die Zeugnisse
der verschiedenen Kulturen nebeneinander betrachten.
Vor allem findet man eine sehr große Zahl, ganz unterschiedlicher Mosaikböden.

Das berühmteste Motiv ist dieser Schwan.

Aber auch Delphine und andere Motive finden sich hier.

In der Mehrzahl sind es aber geometrische Motive,
die man beim Rundgang betrachten kann.
Sie sind nicht unbedingt sehenswert, verraten aber den Fachleuten,
von welcher Kultur und aus welcher Zeit sie stammen.

In der Nähe befinden sich auch die Reste eines antiken Theaters,
das durch die rücksichtslose Restaurierung erst richtig ruiniert wurde.

Auf unserem Weg nach Nicosia kommen wir immer wieder
an Teilen des UN-Sperrgebietes vorbei, wo vor dem Waffengebrauch
gewarnt wird und Fotografieren natürlich streng verboten ist.
Ohne dieses Verbot würden hier wahrscheinlich nur halb so viele Fotos gemacht.

In Nicosia fällt uns vor allem die marode Bausubstanz auf.

Eine gesperrte Straße.
Natürlich kann man auch hinter die Sperre gelangen.
Man muss dazu nur drei Kilometer Umweg in Kauf nehmen.

Ein altes Tor mit neuen Plakaten.
Deren Bedeutung blieb uns natürlich leider verborgen.

Wo man auch hin schaut ...

... marode Bau- und andere Substanzen.

Hier sieht man noch Einschusslöcher.
Sie stören offenbar nicht.
Dass sie als Mahnmal dienen sollen oder könnten,
darf bezweifelt werden.

Um 13h30 ist natürlich Mittagspause.
Deren Ende scheint aber keiner entgegen zu fiebern.

Unser Reiseführer kennt sich aus und schreitet zielstrebig voran.

Jetzt haben wir sie gefunden, die Zivilisation.

Hier geht's in Richtung des griechischen Teils von Nicosia.

Eigentlich können hier alle kontrolliert aber problemlos rüber gehen,
Türken, Griechen und Touristen.

Weil wir über Ercan eingereist sind,
steht das natürlich in Martins Pass,
den er zur Einreise gar nicht gebraucht hätte.
Das bietet den griechischen Zyprern jetzt den willkommenen Anlass,
ihn aus purer Schikane zurück zu weisen.

Soll heißen: “Wer zu den Griechen will, soll auch bei den Griechen einreisen.”
Das zeigt das geistige Niveau der Auseinandersetzungen.
Und deshalb gibt es hier Sperrgebiete und Blauhelme.

Wer allerdings die reichlich vorhandenen Informationen und Tipps beachtet,
hat keine Probleme. – Nur die kleinen Ignoranten werden gleich bestraft.

“Büyük Hamam”, das “Große Türkische Bad” wurde von den Osmanen
in einer mittelalterlichen katholischen Kirche eingerichtet.
Schön, dass die was G'scheits draus gemacht haben.

Überhaupt findet man nicht nur Ruinen,
sondern auch historische Bauten,
die restauriert und dann neu genutzt werden.

Offizielle Vorschläge für Rundgänge in der Stadt.

Die Anfang des 13. Jahrhunderts errichtete Sophien-Kathedrale
wurde im 16. Jahrhundert durch die Osmanen
in die “Selimiye Moschee” umgewandelt.

Das gotische Bauwerk blieb völlig erhalten,
nur der christliche Bilderschmuck wurde entfernt und ersetzt.

Jetzt findet man darin die in Moscheen üblichen Einrichtungen
und auffallend viele Ventilatoren.
Vor allem dort, wo sich die Redner auf halten;
vermutlich, damit die sich nicht heiß reden.

Dass alles etwa schief aus sieht, hat einen einfachen Grund:
Christliche Kirchen sind in Ost-West-Richtung gebaut.
Bei den Muslimen dagegen ist Mekka richtungsgebend.

Vor der Moschee, am Waschplatz, eine ausführliche Anleitung.
Das kann ja nicht schaden.
Handwäsche bei 30°C (im Schatten), nicht schleudern.

Ein Souvenirladen, in dem man nicht fotografieren soll.
Ich wüsste allerdings gar nicht, was ich darin fotografieren sollte.

Nur die Katze vor dem Laden ist mir ein Bild wert.

Katzen begegnen einem dauernd und überall.
Damit habe ich kein Problem.
Bei Hunden (und ihren Hinterlassenschaften) wäre das anders.
Aber Hunde bekommt man hier nicht zu sehen.

Die üblichen Zustände auf den Straßen geben zwar kein schönes Motiv ab,
aber man muss sie ja mal fest halten.

Der Bürgermeister gibt ein TV-Interview und äußert sich ganz klar:

Wenn die faulen Müllarbeiter weiter streiken und noch mehr Geld verlangen,
will er die öffentlichen Arbeiter entlassen
und die Müllentsorgung an private Unternehmen vergeben.

Wir können dazu natürlich nicht Stellung beziehen,
finden das Müllproblem aber auch unübersehbar.

Bis wir zurück kommen, ist es natürlich schon wieder dunkel.
Aber beim Abendessen stellen wir fest,
dass es ein schöner Ausflug war
und dass wir Nicosia nochmals in eigener Regie besuchen wollen.

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Zypern 4.Tag 

Alles gesehen - nix kapiert - alles von vorn gucke!

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