rt-go: 2012-10-06

Kulturkreis-Reise 2012

Sa 29.09. bis Sa 06.10.

Planung, Organisation und Leitung: Rolf Tiemann
Bilder: Eberhard Gladrow, Hans Külheim, Rolf Tiemann
Text: Eberhard Gladrow

Mit dem Kulturkreis-Wörrstadt unterwegs

Notizen von einer schönen Reise

Schwerpunkt dieser Kulturkreisreise war der Osten
Deutschlands, nämlich Leipzig, Dresden und Umgebung
mit einem kurzen Ausflug in die Tschechische Republik.
 

Leipzig


Quelle: Museum in der Runden Ecke

Ein erster, eher bedrückender Höhepunkt war der Besuch der Gedenkstätte “Museum in der Runden Ecke” in Leipzig. Dort erfährt man viel über Geschichte, Struktur und Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Damit “soll das Bewusstsein der Bürger für die Gefahren der Diktatur geschärft, demokratisches Handeln und Denken gefördert und der antitotalitäre Konsens in der Gesellschaft gestärkt werden.” (Zitat nach runde-ecke-leipzig.de). Außerdem trägt das Stasi-Museum so zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit bei. Wenn es nicht so erschreckend wäre, könnte man die Kreativität des MfS fast bewundern, die Bürger zu überwachen und zu verfolgen. Alles bestens organisiert und bis in das kleinste Detail strukturiert. Ein dichtes Netz von Kontrolle und Gegenkontrolle, denn auch die Kontrolleure müssen ja überwacht werden.

Danach ein Spaziergang durch Leipzig, quasi die Rückkehr in eine “normale” Welt, in eine Welt, in der oberflächlich gesehen nichts mehr von der Proteststimmung der Montagsdemonstrationen zu spüren ist. Die Wende scheint gelungen: Leipzig ist heute eine lebhafte Stadt mit etwa 500'000 Einwohnern und knüpft mit der Leipziger Messe und der Buchmesse an vergangene, erfolgreiche Zeiten an. Man schlenderte durch die Innenstadt, zur Börse und zum Alten Rathaus und natürlich zur Thomaskirche, stattete der Mädler-Passage einen Besuch ab, warf einen Blick in Auerbachs Keller und ließ den Abend hoch oben ausklingen, nämlich auf dem MDR-Hochhaus mit schönem Blick über die Lichter der Stadt.

Siehe auch das “Leipzig bei Nacht”-Panorama:

GPS: 51.3379106N, 12.3788751E

 

Dresden


GPS: 51.0561726N, 12.3788751E

Die nächsten Tage war Dresden der Ausgangspunkt für die Stadtbesichtigung und für die Exkursionen in die Umgebung. Dresden als Hauptstadt Sachsens mit mehr als 500'000 Einwohner hat eine lange, wechselvolle und tragische Geschichte hinter sich.

Die Spuren der jüngeren Vergangenheit, der Zerstörung sind praktisch nicht mehr zu sehen, die Spuren der prachtvollen Zeit August des Starken umso mehr.

Das Hotel war gut gelegen,
direkt neben der Feldschlösschen-Brauerei.

Gepflegtes Absacken am Abend war gesichert.

Elbflorenz mit Semperoper, Zwinger und Frauenkirche – das sind natürlich die Klassiker, die man in Dresden während einer Stadtführung auf jeden Fall besucht. Dazu der Fürstenzug.

Es treten u. a. auf: August der Starke, Friedrich der Gebissene, Dietrich der Bedrängte, Heinrich der Erlauchte, Albrecht der Entartete, Friedrich der Ernsthafte und viele mehr.

Eine Alternative zu Fußmärschen durch die Stadt war die Fahrt mit der Dresdner Parkeisenbahn, eine im Großen Garten betriebene Liliputbahn. Kinder und Jugendliche üben die meisten Tätigkeiten aus. Sie fungieren als Aufsicht, Fahrdienstleiter oder Zugbegleiter. Sie tun dies mit großer Ernsthaftigkeit und Professionalität.


360°-Rundblick im Zwinger · GPS: 51.0529794N, 13.7337876E

Neben den Exkursionen blieb reichlich Zeit für individuelle Aktivitäten. Für den Besuch des Grünen Gewölbes oder für den Aufstieg auf die Kuppel der Frauenkirche. Oder für den Besuch der Oper, eines der ältesten Theater im deutschen Sprachraum. Spaziergänge durch Viertel wie die Dresdner Neustadt zeigen ein etwas anderes Bild von Dresden. Hier sind es weniger die Touristen, die für Leben sorgen. Das geschäftige Treiben, eine Mischung aus Kunst, Kultur und Kommerz, Barock und Neubauten – all das macht die Dresdner Neustadt zu einem attraktiven Viertel.


360°-Rundblick von der Frauenkirche · GPS: 51.0518935N, 13.7416411E

 

1. Exkursion – Bastei ...

Diese Fahrt führte zu den Höhepunkten der Sächsischen Schweiz (Geologen sagen lieber Elbsandsteingebirge): Bastei, Festung Königstein und Pirna. Alle drei verdanken ihre Beliebtheit dem Sandstein und seinen teilweise bizarren Ausformungen. Bastei und Festung Königstein zählen zu den meistbesuchten Touristenzielen der Sächsischen Schweiz.

Auf der Fahrt dorthin erlebt man aber zunächst sein blaues Wunder, überquert man doch die Elbe auf der Brücke gleichen Namens. Das “Blaue Wunder” ist eines der Wahrzeichen der Stadt. In der Entstehungszeit war die Brücke eine der ersten dieser Spannweite aus Metall, welche keine Strompfeiler in der Elbe benötigte – unter anderem deshalb wurde sie als Wunder bezeichnet.
Weiter ging es am Elbhang entlang, an den berühmten Schlössern Albrechtsberg und Pillnitz vorbei Richtung Bastei. Die Bastei ist eine Felsformation mit Aussichtsplattform hoch über dem rechten Ufer der Elbe. Von der Bastei fällt das schmale Felsriff über 194 m steil zur Elbe ab. Die Aussicht in das Elbtal und über das Elbsandsteingebirge ist fantastisch:


GPS: 50.9611865N, 14.0739883E

 

Festung Königstein


Quelle Wikipedia: Festung Königstein · GPS: 50.9190618N,14.0571708E

Die Festung Königstein ist eine der größten Bergfestungen in Europa, auf einem Tafelberg gelegen, 240 Meter über der Elbe.

Zahlreiche alte und neuere Gebäude erzählen vom militärischen und zivilen Leben auf der Festung. Der 1800 m lange Wehrgang und zahlreiche Türme machen die Festung zu einem Eldorado für Burgenfans.

Die Burgenbauer haben keine dicken Bretter, sondern einen tiefen Brunnen gebohrt: er ist 152,5 Meter tief und damit der zweittiefste Brunnen Europas. Auch von der Festung Königstein kann man natürlich schöne Ausblicke genießen:


GPS: 50.91839N, 14.0624119E
 

Pirna

Pirna ist als die Stadt der Erker, Giebel und Portale bekannt.


GPS: 50.9622322N, 13.9422918E

Einst aufgestiegen zu einer der reichsten Städte Sachsens durch den einträglichen Handel mit Sandstein, zeugen zahlreiche schöne Bürgerhäuser vom vergangenen Wohlstand der Stadt. Während eines Stadtrundgangs konnte man sich davon überzeugen.

Besonders beeindruckend ist die Stadtkirche St.Marien mit der originell verspielten Formenvielfalt des Deckengewölbes. Sie zählt zu den schönsten spätgotischen Hallenkirchen Sachsens:


GPS: 50.9623961,13.9433593

 

2. Exkursion – Meißen ...


Quelle Wikipedia: Meißen

Eigentlich ein Muss, wenn man in der Gegend ist. Nicht nur wegen des “Weißen Goldes” der Porzellanmanufaktur Meißen, sondern und ganz besonders wegen der Stadt selbst. Eine höchst interessante und auch amüsante, anekdotenreiche Stadtführung ging durch die liebevoll restaurierte, historische Meißner Altstadt. Vorbei an prächtigen Renaissance-Bürgerhäusern und alten Domherrenhöfen führte der Weg zum Domplatz mit dem weithin sichtbaren Ensemble von Albrechtsburg und Dom.

Meißener Porzellan, das erste Porzellan Europas, ist natürlich weltbekannt. Viele Touristen besuchen deshalb die Manufaktur, genauer gesagt die Erlebniswelt Haus Meißen. Die Besucher können allerdings nur die Schauwerkstätten sehen – und den Shop. Die Manufaktur selbst ist nur zu Tagen der Offenen Tür zugänglich (April und Oktober).

Hier gibt es ein 360°-Panorama vom Turm der Frauenkirche zu sehen:

GPS: 51.1627308N, 13.4697939E

 

Moritzburg


Quelle Wikipedia:Schloss Moritzburg

Die Rückfahrt nach Dresden führte über das Schloss Moritzburg. Das auf ein Jagdhaus des 16. Jahrhunderts zurückgehende Jagdschloss erhielt seine heutige Gestalt im 18. Jahrhundert unter August dem Starken.

Aus Zeitgründen blieb es bei einem kurzen Abstecher.

Aber immerhin erfuhr man endlich, was es mit dem

Kursächsischen Post-Distanz-Säule auf sich hat.

 

3. Exkursion – Ausflug in die Tschechische Republik

Panoramablick über die Stadt:

GPS: 50.7800951N, 14.204526E

Děčín (deutsch Tetschen) an der Elbe war das erste Ziel dieses Ausfluges in das Nachbarland. Děčín ist eine geschäftige Industriestadt nahe der Grenze mit einem wichtigen Eisenbahn-Grenzübergang zwischen Deutschland und Tschechien an der Strecke Berlin-Dresden-Prag.

Sehenswert sind das Schloss und insbesondere die Synagoge. Die alte hölzerne Burg wurde im 16. Jahrhundert zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Die gegenwärtige klassizistische Form erhielt das Schloss während des letzten Umbaues um 1790. Zwischendurch als Kaserne genutzt und abgenutzt ist das Schloss heute wieder recht ansehnlich.

Einen besonderen Besuch lohnt der Rosengarten. Der 1670 angelegte frühbarocke Ziergarten befindet sich neben dem Schloss, Rosen werden hier allerdings erst seit 1881 gezüchtet. Der lang gezogene Garten ist auf einem Ende durch eine Gloriette mit Treppen und Terrassen, auf dem anderen Ende durch eine Salla Terrena, einem Gartensaal, abgegrenzt, prächtig ausgeschmückt mit Wand- und Deckenmalereien.

Ein langer Arkadengang verbindet das Schloss mit der Heilig-Kreuz-Kirche, einer barocken Hallenkirche von 1691. Die Kirche ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler Nordböhmens, vor allem wegen der Fresken von Josef Kramolín, einem böhmischen Maler und Freskant.

Ein besonderes Kleinod ist die Synagoge, von 1906 bis 1907 im Jugendstil kombiniert mit maurischen Bauformen errichtet. Die Eisenbahnlinie, die im Jahre 1851 von Prag über Děčín und Dresden nach Berlin gebaut wurde, veranlasste vermehrt jüdische Kaufleute und Unternehmer dazu, sich in Děčín niederzulassen, wo bereits seit dem 16. Jahrhundert jüdische Einwohner genannt wurden.

Zum Ausklang gab es ein Abendessen in einem Restaurant auf der Schäferwand (s. Foto), ein markanter 100 m hoher Sandsteinfelsen oberhalb der Elbe.

Dass tschechisches Bier gut ist, weiß man. Aber auch der tschechische Wein ist nicht zu verachten. Der tschechische Weinbau kann immerhin auf eine tausendjährige Tradition zurückblicken. Die Weine kommen überwiegend aus Südmähren und Mittelböhmen.

Zwischendurch gab es von Děčín aus per Schiff einen Abstecher nach Hřensko (deutsch Herrnskretschen). Sanftes Dahingleiten durch die schöne Flusslandschaft, ein tschechisches Bier probieren, Entspannung pur.

Hřensko liegt direkt an der Grenze zu Deutschland. Das Bemerkenswerteste an diesem Ort ist der Einkaufstourismus, der wie in anderen grenznahen tschechischen Orten von vietnamesischen Händlern beherrscht wird.
 

Göltzschtalbrücke


Quelle Wikipedia: Göltzschtalbrücke ·GPS: 50.6223879N, 12.2450856E

Auf der Rückfahrt nach Wörrstadt wurde noch ein herausragendes Beispiel sächsischer Ingenieurbaukunst besucht, nämlich die Göltzschtalbrücke. Sie ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt und überspannt für die Eisenbahn das Tal der Göltzsch. Die Brücke wurde in den Jahren 1846 bis 1851 im Zuge des Baus der Sächsisch-Bayrischen Eisenbahn errichtet. Der Bau einer Brücke in diesen Dimensionen war damals Neuland. Brücken dieser Größe gab es noch nicht. Man konnte die Statik solcher Bauwerke bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht berechnen. Man verließ sich auf Erfahrung. Die Göltzschtalbrücke ist nun aber die erste statisch berechnete Brücke der Welt. Sie ist 78 m hoch und 574 m lang. Für den Bau wurden täglich 50'000 und insgesamt etwa 26 Millionen Ziegel gebraucht. Und sie ist heute noch vollkommen intakt.

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