rt-go: Sa 08.10.2011

Fahrt in die Schweiz

Nach unserem Aufenthalt in Südtirol wollten wir
auf dem Rückweg der Schweiz einen Besuch abstatten,
um bei Zermatt (C) mit der Gornergratbahn zu fahren und
in Chamonix (D, liegt schon in Frankreich) auf den Aiguille du Midi.

Beides natürlich nur bei optimalem Wetter.
Denn es macht ja keinen Spaß die enormen Preise zu zahlen,
wenn man dann nichts davon hat.

Weil wir die rund 400 km bis Brig (C) über etliche Pässe
aber nicht an einem Tag fahren wollten,
hatten wir in Grüsch (B), nach etwa 170 km und zwei Pässen,
eine Übernachtung eingeplant und vorsorglich ein Zimmer gebucht.

So weit unser Plan.

Weil wir ja noch etwas vor uns hatten,
waren wir etwas früher als sonst aufgestanden.

Das Wetter sah gut aus und lies nichts Schlimmes vermuten.

Hier war die Welt noch in Ordnung.

Trotzdem wollten wir spätestens um 10 Uhr auf die Reise gehen
und schafften es dann sogar schon um 9 Uhr 15.
Das war auch nicht verkehrt.

Noch ist alles bestens.

Vom Winter ist noch nichts zu sehen.

Aber dann haben auch wir den ersten Kontakt
mit der von Nordwesten heranziehenden Wetterfront.

Das Radio meldet zwar, dass das Stilfser Joch offen ist,
aber die Querverbindung in Richtung Ofenpass ist
bei dem Wetter sicher unbefahrbar und gesperrt.

Wir fahren deshalb (auf der #28) weiter
und dann direkt über den Ofenpass.
Das geht noch problemlos.
Es schneit nur wenig und die Straße ist fast vollständig frei.

Vor Susch kommt dann aber schon der Hinweis,
dass der Flüelapass inzwischen gesperrt ist.

Deshalb bleibt nur die Fahrt mit dem Autozug durch den Vereinatunnel.

Schon vor der Abzweigung steht der Verkehr.

Auch die Karte zeigt nicht mehr Alternativen als das Navi,
nämlich keine.

Weil den vielen anderen Touristen aber auch keine Alternative bleibt,
stehen wir in einer sehr langen doppelspurigen Schlange.
Nach Auskunft eines sehr netten Polizisten vor Ort sollte die Wartezeit
mindestens gut zwei Stunden oder auch mehr betragen.
Verlockende Aussichten.

Die Prognose wurde übrigens sehr gut eingehalten,
denn wir standen insgesamt von etwa 12h30 bis 15h20.
D. h. wir standen nicht, sondern durften uns in der Zeit
langsam vor arbeiten.

Hier haben wir immerhin schon (29 CHF=24 €) bezahlt
und stehen in Dreierreihe zu allem bereit.
Man beachte den Kilometerstand (12,4) und die Uhrzeit (14h14)

Das einzige deutsche Auto in der Schlange,
jedenfalls so weit man das überblicken konnte,
hatte, wie wir, ein AZ-Kennzeichen.
Weil die Fahrerin den Bahner, der die Verladung regelte,
überzeugen konnte, dass sie ja nur ein sehr kleines Auto fährt,
durfte sie sich als Letzte auf den Zug quetschen.

Weil wir gerade nicht mehr drauf gekommen sind,
dürften wir eine weitere halbe Stunde warten,
sind dann aber die Ersten.

Man beachte den Kilometerstand (13,2) und die Uhrzeit (15h15).
D. h. wir haben in der letzten Stunde einen Schnitt von 0,8 km/h geschafft.

Nun geht's aber gleich los.

In etwa 20 Minuten werden wir gut 19 km durch den Tunnel gefahren.
Weil das Panorama unterwegs etwas eingeschränkt
und die Lichtverhältnisse unzureichend waren,
habe ich davon leider keine Bilder.

Danach hatten wir nur noch bequeme 22 km bis zu unserer Nobel-Absteige.

Nobel war aber nur der Preis von 120 CHF (~100 €)
fürs Doppelzimmer mit Frühstück.

Der Rest war eindeutig Absteige:

Ein muffiges Zimmer und ein Bad mit Schimmel an der Decke.
Das Bad haben wir vorsichtshalber komplett desinfiziert.

Im Nachhinein hatten wir auf Grund eindeutiger Indizien
(fremde Haare im Bett, obwohl wir nachts keinen Besuch hatten)
sogar den dringenden Verdacht,
in gebrauchter Bettwäsche geschlafen zu haben.

Die fehlende Seife und den nicht funktionierenden Fernseher
habe ich gleich reklamiert.

Nach der Ankunft wollten wir erst mal was trinken,
am liebsten eigentlich Wein.
Davon haben wir aber Abstand genommen,
weil der in homöopathischen Dosen von 0,1 L
für 3,90 bis 6 CHF angeboten wurde.
Natürlich gab es auch Flaschen ab 39 CHF aufwärts.
Da haben wir uns mit einem kleinen Tässchen Kaffee für 3,90 CHF begnügt.
Beim Abendessen haben wir dann aber geklotzt statt gekleckert.
Allerdings nur bei den Ausgaben.

Denn die Portionen waren ja durchaus übersichtlich.
Und auch der Geschmack war bei weitem nicht so herausragend
wie der Preis von 28 CHF für das Tellerchen.
(Spaghetti Bolognese hätten übrigens nur 17,90 CHF gekostet.)

Immerhin hat uns die nette und eifrig bemühte Chefin
nach dem Essen eine Nachfüllflasche Seife überreicht
und mitgeteilt, dass der Fernseher jetzt ginge.

Weil der Fernseher aber doch nicht funktionierte,
habe ich das erneut reklamiert.
Daraufhin wurde er dann ausgetauscht.
Nun konnten wir zwar nicht das deutsche erste oder zweite,
aber doch einige andere deutschsprachige Programme sehen.

Das Frühstück am anderen Morgen
war auch sehr viel bescheidener
als der Preis von 15 CHF (p. P.) erwarten ließ.

 

Und was haben wir daraus gelernt?

  1. In der Absteige “Hotel Grüsch” in Grüsch werden wir bestimmt
    nie wieder absteigen.
     
  2. In Ost-West-Richtung durch die Schweiz fahren zu wollen,
    war eine Schnapsidee. Falls wir es überhaupt jemals wieder
    in Betracht ziehen sollten, dann allenfalls im Sommer.
     
  3. So lange sich die Schweiz mit ihren Preisen so massiv gegen
    den Tourismus wehrt, sollten die Touristen Einsicht zeigen
    und die Schweiz verschonen.
     
  4. Falls uns die Gornergratbahn einmal mächtig locken sollte,
    werden wir die Schweiz in Nord-Süd-Richtung durchqueren.
    Morgens rein und abends raus. Dann bleibt uns die Schweizer
    Hotellerie und Gastronomie im wahrsten Sinne erspart.

Alles kein Problem.
Wir sind ja lernfähig.

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Heimfahrt und Fazit 

Alles gesehen - nix kapiert - alles von vorn gucke!

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