rt-go: Mi 2011-05-18

Gaziantep

1. Tag

8 Uhr Aufstehen.
Der Blick aus meinem Fenster im 2. Stock zeigt schönes Wetter.

Für 9 Uhr ist Frühstück im Freien angesagt.

 

Um 9 Uhr 30 treffen wir uns in der Meeting hall im Novotel nebenan
und hören einen hoch interessanten Vortrag über Gaziantep.

Dann brechen wir auf ...

... und fahren zum Mosaik-Museum.
Es tröpfelt etwas.

Vor dem Zeugma-Mosaik-Museum.
Das Tröpfeln hat schon nachgelassen.
Das Museum sollte eigentlich schon lange fertig sein, ist es aber noch nicht.
Wir dürfen trotzdem rein und haben den Vorteil, dass es weniger Gedränge gibt.

Die Massen strömen zur Kultur.

Warum dieser “Herkules” nackt ist,
hat einen einfachen Grund:
Götter sind vollkommen und brauchen deshalb keine Kleidung.
Die Keule ist ein absolut überzeugendes Argument
und genügt zur eindeutigen Identifizierung.
Der andere dagegen braucht all die Insignien, damit man ihn erkennen kann.

Kein Gott zu sein, ist schon ein hartes Los.

Jetzt frag' ich mich nur ...
Wenn ich im Sommer nackt am Atlantik lang laufe,

oder mit klurzen Hosen durch Gaziantep,

was bin ich dann?
Ich hab' doch gar keine Keule.

In der Eingangshalle werden im Wechsel diverse Mosaike auf den Boden projeziert.
Weil die früher oft der Boden von flachen Wasserbecken waren,
werden zusätzlich animiert treibende Blätter
und schwimmende Fische darauf projeziert.

Und als zusätzlicher Gag reagiert die Projektion auf den Betrachter.
Wenn einer die Projektionsfläche betritt, schwimmen z. B. die Fische weg.

 

Eine (rare) Darstellung von Wandfresken.
Die sind natürlich viel seltener erhalten geblieben als Bodenmosaike.

 

 

 

 

Ein Nachteil großer Bodenmosaike:
Um sie zu erhalten, darf man nicht drauf treten,
muss folglich viel drumherum laufen
und sieht sie deshalb nie von Nahem.

Details sieht man nur, wenn ein Mosaik an der Wand angebracht wurde.

Auf einem Computerdisplay kann man sich diverse Szenen von Ausgrabungen anzeigen lassen.

Hier ist das “Gipsy girl” am Fundort zu sehen.

Hier bei der Freilegung.

Und hier im restaurierten Zustand.
Wer's lieber hören als sehen mag,
kann hier klicken: “Gipsy girl”.

Hypokaustum, die römische Fußbodenheizung.
Die Bodenplatten ruhen auf Säulen.
Durch die Hohlräume darunter wird durch Feuer erwärmte Luft geleitet.

Römische Toiletten mit Wasserspülung.
Leider fehlen Funktions-Skizzen und erklärende Hinweise.
Deshalb auch hier ein Link zu Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bedürfnisanstalt


(©mh)
Einem aufmerksamen Beobachter (Martin) verdanken wir
diesen Schnappschuss von einem antiken Kriminalfall.
Er zeigt, wie ein rabiater Kerl einer Dame an die Wäsche gegangen ist.
Und es ist zu befürchten,
dass er nicht nur an dem Kleidungsstück interessiert war.

Nebenan ist der unvermeidliche Souvenierladen.

Vor dem Gebäude kann man, nach der Eröffnung vermutlich, etwas trinken.
Sitzen funktioniert auch jetzt schon.

Auf dem Hügel in der Nähe steht eine Moschee.
Aber die türkische Fahne überragt sogar die Minarette.

Der Prominenten-Bus der Stadt,
gelegentlich auch Leichenwagen genannt.

Etwa um 12 Uhr steht der nächste Museumsbesuch im Bayazhan City Museum an.

Am Eingang werden mehrsprachige elektronische Führer verteilt.
Meiner funktioniert nicht. Das überrascht mich allerdings nicht.
Und es stört mich auch nicht, weil ich die Verbalorgien gar nicht mag.
Die Überflutung mit endlosen Erklärungen,
die man Minuten später sowieso schon wieder vergessen hat,
sind meines Erachtens total kontraproduktiv.

Nur die Absicht zählt.

 

 

 

 

 

 

Diese Form der Warmwasserbereitung sieht man auf fast allen Dächern.

Natürlich müssen unsere Busfahrer gelegentlich aufs Bild.
Darauf bestehen sie.
Und sie haben es ja auch verdient.

Gleich gehts weiter.

Hayrettin, unser unglaublich netter Busfahrer,
mit dem wir in Gaziantep immer wieder unterwegs waren.

Um 13 Uhr sind wir in den GKV-Schulen,
“GAZIANTEP KOLEJ VAKFI ÖZEL OKULLARI”,
zur Besichtigung und zum Mittagessen.

Im Hof gibts kulturelle Darbietungen zu sehen.

Ein “Tröten”-Spieler sorgt für Lautstärke und Stimmung.
Die “Tröte” heißt übrigens Zurna.
(Und Wikipedia weiß wie üblich sehr viel mehr darüber.)

 

 

Der Trommler darf natürlich nicht fehlen.
Mehr wird für eine fetzige Musik aber nicht gebraucht.

 

Es ist zwar denkbar, dass unser Besuch der Anlass für die Darbietungen war,
aber nicht gewiss, denn es machte nicht den Eindruck,
als wäre alles streng durchorganisiert.

Kurz darauf sind wir durch eines der Schulgebäude gelaufen
und haben auch mal in einen Schulsaal gespäht.

Hier sitzen schon die Kleinen am Computer.

Unser Hauptziel um diese Zeit war aber die Kantine.

Die vorbereiteten Tische sehen sehr einladend aus.


(©ck)
Da nehmen wir gerne Platz.

Die zahlreichen Vorspeisen sind sehr schmackhaft.

Die Suppe ebenfalls.

Und auf den Nachtisch möchte man auch nicht verzichten,
obwohl er sehr süß und kalorienhaltig ist.

Beim Lob darf der bestens funktionierende Service nicht vergessen werden.

In der Eingangshalle hängen Bilder von Schulabsolventen.

Jetzt wird die “Kinderbelästigung” im Kindergarten fortgesetzt.

Auch die Kleinsten sitzen schon am Computer.
Das schließt allerdings nicht aus, dass sie (hoffentlich)
manchmal auch draußen im Dreck spielen.

Gegen 16 Uhr sind wir unterwegs zum nächsten “Event”.

Die Burg ist aber erst später dran.

Zunächst gehts zum Glasmuseum.

Hier werden aber auch Schmuck und Grabbeigaben präsentiert.

Ein sehr altes Glasgefäß.

 

Eine Gußform für Bronzebeile.

Kleine Frauenfigürchen.

Hier wird die Herstellung von Glasschmuck demonstriert.

Dabei werden verschieden farbige Gläser zu bunten Perlen oder Scheiben verschmolzen.

Ein Kupfergravör arbeitet auf der Straße, damit man seine Kunst bewundern kann.

Auf dem Weg zur Burg.

Geschäfte am Rand.

Auf dem Weg zur Burg sind viele Krieger und ihre Taten dargestellt.

Bemerkenswert, dass auch das Ergebnis ihrer Taten so deutlich gezeigt wird.
Obwohl das ja, selbstverständlich wie immer, die Taten der anderen waren.

 

 

Blick über die Stadt.

In die eigentliche Burg bzw. den Burghof kann man leider nicht hinein.
Zugänglich ist nur ein sehr langer Gang durch die Umfassungsmauern,
in dem die (kriegerischen) historischen Ereignisse dargestellt werden.

Blick über die Stadt und auf unser Hotel.

 

 


(©ck)

 

 


(©mh)
Ein beliebtes und bewährtes Transportmittel.

Jetzt gehts zum Basar.

 

 

Im überdachten Basar.

 

 

 

 

 

 


(©mh)
So aufregend fand ich den Basar nicht.
Da muss ich was versäumt haben.
Aber Martin war dabei, der müsste es wissen.

 

 

 

 

Hier wird Geld gewechselt.

 

 

Wir warten auf unseren Bus, der uns hier abholen soll,
an der Stelle aber gar nicht halten kann.

Deshalb steht er etwas entfernt an einer Stelle,
an der er eigentlich auch nicht halten dürfte
und deshalb nur kurze Zeit geduldet wird.

Gegen 18 Uhr legen wir eine kurze Pause
in einem Café ein, in das wir eingeladen waren.

Hier hat die Organisation, die sonst ganz gut funktioniert hat,
erheblich am Ziel vorbei geschossen.

Denn erst mussten wir vom Basar aus durch die Stadt laufen
und auf den Bus warten, damit der uns zu dem Café fährt.
Und dann wurden wir mit dem Bus zum Hotel gebracht.

Wenn wir z. B. einfach beim Basar, unter der Burg
in das schöne gemütliche Café gegangen wären,
hätten wir die Lauferei, das Warten
und den doppelten Bustransfer gespart.
Denn von da aus ist es nur ein Katzensprung zum Hotel.

Danach dürfen wir uns im Hotel erfrischen, erholen und
auf das Abendprogramm einstimmen.

19 Uhr 20.
Wir gehen zum Konzert.
Und “gefühlsmäßig bin ich ganz emotional”,
wie Boris sagen würde.

Wir sind in einer ehemaligen christlichen Kirche.
Im Laufe vieler Jahre wurde sie zunächst als Basar
und dann als Stall genutzt.
Und als sie schließlich auch dazu nicht mehr taugte,
hat man sie halt restauriert.
Nun dient sie kulturellen Veranstaltungen.

Ezgi Saydam, ein Mezzo-Sopran aus Istanbul, bringt,
nur vom Muezzin nebenan
und durch zwei selbst verursachte Pausen unterbrochen,
klassisches deutsches Liedgut zu Gehör.

Nun, dass die Dame singen kann und der Mann am Klavier weiß,
welche Tasten er drücken muss, steht außer Frage.

Dass es für mich ein Genuss war, dem zu lauschen,
kann ich aber nicht behaupten.

Der Erlkönig z. B. hat mich, vor 50 Jahren als Gedicht in der Schule,
schon nicht vom Stuhl gerissen.
Und heute, als Lied vorgetragen, finde ich ihn auch nicht erbaulicher.

Das Kind jedenfalls ist immer noch tot.

Gegen 21 Uhr treffen wir im Bayazhan Restaurant ein.

Dass wir mit Tanz und Musik empfangen werden,
überrascht uns schon fast nicht mehr.

Trommel und “Tröte” reichen für fetzige Musik.

Der Darbietung können wir aber nicht lange zusehen.

Drinnen erwartet man uns schon zum Essen.
An einer sehr langen Tafel.
Vorne das Fußvolk auf weißen Sesseln ...


(©ew)
... und hinten die Prominenz auf purpurnen Sesseln.

Musikalische Unterhaltung gibt es natürlich auch.
Aber nur vorne bei uns.

Zum Essen kann ich nur sagen: der Lokalität entsprechend erste Klasse.

Und trotzdem hat es mir mittags in der Schule noch eine Idee besser geschmeckt.
Da möchte man doch direkt noch mal in die Schule gehen.

Weil wir nach dem Essen nicht gleich ins Hotel zurück wollen,
verzichten wir (eine kleine Gruppe) auf den Bustransfer und
unternehmen noch einen einstündigen nächtlichen Bummel durch die Stadt.

Viele Geschäfte haben immer noch geöffnet.

Das Nachtleben hält sich in Grenzen.
Aber vereinzelt ist immer noch was los.
Und Nachtlokale kann man auch finden,
falls man sie sucht.

Attatürk muss am Vorabend zum Nationalfeiertag
einsam durch die Dunkelheit reiten.

Das Leben findet anderswo statt.

Blick von einer Fußgängerbrücke.

Auf dem Weg zum Hotel.

Da ist unser Ibis.

Na dann:
Gute Nacht!

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Gaziantep 2.Tag 

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