rt-go: 2009-09-14

Ein Wochenende in Paris

Wir waren schon öfter in Paris.
Deshalb ist die Stadt nicht ganz neu für uns
und die möglichen Überraschungen halten sich in Grenzen.

Unsere Räder hatten wir absichtlich nicht mit genommen.
Ich habe zwar gelegentlich schon gehört,
dass etwas für das Fahrrad als Verkehrsmittel getan wird,
aber als Radlerstadt ist Paris bisher noch nicht “verschrien”.

Dieses “Vorurteil”,
das ich jederzeit liebend gern revidieren würde,
fand ich trotz aller Neuerungen leider bestätigt.

Aber, es gibt Grund zur Hoffnung.

Freitag

Wir fuhren freitags gegen Mittag los
und freuten uns, weil noch nicht viel Verkehr war.
Vor und in Paris hat sich das dann gegeben.
Aber wenn einem die Dame im Navi
sagt wo's lang geht,
kommt man ohne Stress ans Ziel.
Jedenfalls, wenn man wie mit Scheuklappen fährt
und das Chaos ringsum einfach ignoriert.

Unser Hotel von hinten.

Die “Aussicht” aus dem Fenster.
Wegen der Aircondition hatte man Fenster eingebaut,
die man nicht öffnen kann, aber vergessen,
dass man sie dann nur von außen putzen kann.
(Falls man das jemals wollte.)

Die Zimmerinformation zeigt,
dass es normalerweise 120 Euro pro Nacht kosten sollte.
Das hätten wir nie dafür bezahlt.
Wir fanden die 65 schon fast übertrieben.

Das Bad war zwar etwas eng, hat aber funktioniert.

Das breite Bett (Außenmaß 140cm),
lies ein hin oder her Rollen nicht zu
und hat so zuverlässig verhindert,
dass wir noch mehr Sprungfedern spüren konnten.

Das Fernsehen, das laut Prospekt zwei deutschsprachige Sender bringen sollte, brachte nur Sat 1.
Und auch das nur verschneit und verrauscht.

Die Aircondition hat zwar die Wunschtemperatur nicht gehalten (nachts wurde es immer empfindlich kühl),
dafür hatten wir stets eine gleichmäßige Geräuschkulisse.

Über das Restaurant können wir nur sagen,
dass die blaue Leuchtschrift immer gut zu sehen war,
und dass es von Montag bis Donnerstag
von 19 bis 22 Uhr geöffnet sein sollte.
Wir waren von Freitag bis Montag vormittags da
und konnten das Restaurant deshalb gar nicht nutzen.
Wer weiß, was uns da erspart geblieben ist?!

Wenn man in einem Vorort wohnt und etwa 15 km zum Zentrum hat, ist man für die öffentlichen Verkehrsmittel dankbar. Drei Buslinien kommen im Abstand von etwa 5 Minuten vorbei und sind frei nutzbar. Die verbleibende Wartezeit wird wie auf den Metro-Stationen angezeigt.

Bevor wir Bus und Metro nutzen konnten, ...

... mussten wir aber zuvor etwa 1 km ...

... bis zur nächsten Metrostation laufen.

Dort haben wir dann die Pauschalfahrkarte “Paris visite” gekauft und konnten (in unserem Fall drei Tage im Nahbereich) Bus, S-Bahn und Metro nach Belieben nutzen.
Eine feine Sache.

In der Metro werden oben die Stationen der Linie angezeigt.

Die Bahnsteige sind zur Sicherheit videoüberwacht
und genau so sauber wie die Züge.

An der Station “Montparnasse Bienvenue”,
wo man zum Wechsel der Linie (13/4)
eine größere Entfernung zurück legen muss,
kann man sich's auf einem Rollsteig bequem machen.
Man sollte aber rechts stehen.
Denn es gibt immer welche, die es eilig haben
und deshalb links vorbei hetzen.

An der Station Saint Michel.

Damit kein Stress auf kommt,
gönnen wir uns erst mal einen kleinen Kaffee (für 2,60€).

Bukinisten am Quai de Montebello.

Wie man sieht, gibt's sogar Radwege.

 

 

“Notre Dame”.

Man darf sogar ohne Eintritt rein
und ohne Blitz fotografieren.

Mitten in der Stadt ein kleines Gärtchen.

“Le Quartier Latin”.
Studenten sieht man im Studenten-Viertel eher nicht.
Aber Touristen ohne Ende.

Ein Platz für Leihräder.
Nach offizieller Aussage gibt es 20.000 Leihräder in Paris.
Man kann sie an so einem Platz ausleihen und
an einem beliebigen Leihplatz wieder abstellen.

Wir waren zwar nicht wegen des Essens nach Paris gekommen.

Aber ganz ohne kommt man auch nicht über die Runden.

“Confit de canard” (eingemachte Ente) kann man schon mal essen, wenn's gerade nichts Besseres gibt.

Abends saß ein sehr netter Herr an der Hotel-Rezeption.
Er hat uns extra noch mal die Terrasse geöffnet
und ein Bier gezapft und serviert.

Samstag

Metro-Station Saint-Lazare.

 

An der Station Abesses muss man entweder
sehr lange vor dem stark belagerten Aufzug warten,
oder sehr viele Stufen hoch steigen.

Die Metro hat kurz zuvor die Seine unterquert
und liegt entsprechend tief.
Der Ausgang dagegen liegt auf dem Berg Montmartre.
Das sind gefühlte 100 Höhenmeter Differenz.

Von den Malern im Künstler-Viertel Montmartre
ist schon seit vielen Jahren nichts mehr zu sehen.
Die können sich die Mieten hier nicht mehr leisten.

Der Touristen-Magnet: “Sacré-Cœur”.

Ein obligatorisches Fotomotiv.
Aber nur von außen.

Man darf zwar ohne Eintritt rein, aber Fotos sind verboten
und wegen strenger Überwachung auch kaum möglich.
Wer wissen will, wie's drin aus sieht, muss halt selbst rein.
Es lohnt allerdings die Mühe nicht.

Der Ausblick von oben.

 

Hier kann es sich nur um einen Schreibfehler handeln.
Bei uns heißt das Drosselgasse.

Hütchenspieler zocken die Touristen ab.

 

In der Nähe vom Place Pigalle.

Die Nachtwandler sind noch nicht aktiv.

Auch “Moulin Rouge” hat noch zu
und muss wegen uns nicht auf machen.

Das berühmte Kaufhaus Lafayette
beeindruckt mit seinem Jugendstilbau ...

... und der gewaltigen Kuppel.

Für den Einkauf dort hatten wir einen 10%-Gutschein
und beim Durchgehen in der dritten Etage zufällig
eine hübsche Strickjacke gefunden.
Für die Einlösung des Gutscheines sollten wir dann aber
erst ins Erdgeschoss und dann in die dritte Etage zurück.

Ihr könnt uns mal!

Von der Dachterrasse hat man einen guten Ausblick.
Z.B. auf den “Tour Eiffel” ...

... und auf “Sacré-Cœur”.

Die Oper.

Radwegweiser gibt es tatsächlich, wenn auch vereinzelt.

Und sogar Radler gibt es, wenn auch vereinzelt.

Der “Jardin des Tuileries” konnte uns nicht sonderlich beeindrucken.

Da ist zwar sehr viel Platz,
aber auch sehr viel Sand und Staub,
um nicht Dreck zu sagen.

Und der wird bei jedem Windstoß aufgewirbelt
und verteilt sich dann großflächig.

Meine “Retter”.

Ohne diese Schaumstoffschlappen mit der extra weichen Einlage hätte ich die kilometerweite Latscherei in der Stadt
nicht so problemlos überstanden.

 

 

Vor dem Louvre.

 

 

 

 

Ohne Rundfahrt auf der Seine geht es nicht.

Auch hier gibt es Hausboote.

Wir hatten unsere Rundfahrt
nicht mit einem speziellen Rundfahrtboot gemacht,
sondern mit dem “Batobus”.
Wir konnten deshalb nicht auf einem Aussichtdeck sitzen
und den Erklärungen eines Fremdenführers lauschen.
Aber die Erklärungen brauchten wir nicht.
Und vom Wasser aus hat man eh keinen großen Ausblick.
Dafür konnten wir aussteigen wo wir wollten und
mit einem beliebigen späteren “Batobus” weiter fahren.

Am Eiffelturm sind wir natürlich ausgestiegen ...

... und haben uns gefragt, was beeindruckender ist:
das Bauwerk oder die Menschenmassen, die dort endlos anstehen.

 

 

 

Wie bekommt man eine Person und den ganzen Eiffelturm
auf ein einziges Bild?
Man braucht natürlich ein Weitwinkel (z.B. 23 mm)
und reichlich Abstand.
Auf der letzten trockenen Stufe am Seineufer
hat es gerade so gereicht.

In dieser Schlange haben wir auf den “Batobus” gewartet.
Und - sind gerade noch drauf gekommen.
Der Rest hinter uns musste auf den nächsten warten.

Im “Batobus”.

“Notre Dame” vom Wasser aus.

Im “Quartier Latin”.

 

Ein anderer der zahlreichen Radleihplätze.

Früher oder später werden lebenserhaltende Maßnahmen unvermeidlich.
Hier hatte ich Lachs in Pfeffersauce gewählt
und diese Entscheidung nicht bereut.
Die unübersehbare Konkurrenz sorgt dafür,
dass die Preise nicht beliebig hoch werden
und fürs Geld auch was geliefert wird.

Die Busspur ist nicht nur für Busse reserviert.
Sie darf auch von Taxis, Skatern und Radlern benutzt werden.
Meist ist sie deshalb so breit,
dass die Langsameren die Schnelleren nicht auf halten.

Zwischen den verschiedenen Metrolinien
muss man fast immer die Ebene wechseln.

Weil eine Frau mit Kinderwagen und Kind damit überfordert ist, haben wir helfend eingegriffen.
Bei der zweiten Treppe hat der Kleine
schon erwartungsvoll die Arme ausgestreckt.
So schnell lernen Kinder.

Abends saß ein anderer,
erheblich weniger freundlicher Herr an der Hotel-Rezeption.

Als wir uns in die Bar setzten, erhob er zwar keine Einwände,
aber als wir den Wunsch nach einem Getränk äußerten,
teilte er uns sehr knapp mit, dass die Bar geschlossen sei.

Also, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

In einem Drei-Sterne-Hotel ist
(am Samstag Abend um 20 Uhr)
die Bar geschlossen.
Eine Minibar im Zimmer gibt es nicht.
Und nirgendwo ist wenigstens ein Getränkeautomat aufgestellt.

Toller Service!

Weil keine hundert Meter weiter auf der anderen Straßenseite
eine Tanke war, bin ich dort hin gegangen.
Dort standen auch reichlich Getränke zum Verkauf.
Aber als ich Bier wollte,
hat mich der Tankwart auf ein Schild hin gewiesen.
Auf dem stand, dass ab 18 Uhr
keine alkoholischen Getränke verkauft werden dürfen.
Tolle Logik.
Man holt die folglich vor 18 Uhr und,
damit sie ja nicht knapp werden,
kauft man gleich etwas mehr.

Ich hatte mich fast schon darauf eingestellt,
den Abend mit Leitungswasser zu beschließen.
Das schmeckt übrigens ganz gut
und ich trinke es den ganzen Tag über sehr gern.
Nur abends hätte ich halt ein Bier vorgezogen.

Da entdeckte ich auf dem Rückweg,
genau gegenüber von unserem tollen Hotel,
eine kleine Imbissstube und Getränkedosen.
Also bin ich mal rein gegangen und habe gefragt,
ob ich vielleicht etwas Bier haben könnte.
Kein Problem.
Ich habe uns dann, obwohl ich eigentlich nur zwei Dosen wollte, vorsichtshalber drei mit genommen.

Eine ist uns dann allerdings
für den nächsten Abend erhalten geblieben.

 

Sonntag

Sogar durch unsere trüben Hotelfenster erkennt man,
dass ein weiterer schöner Tag beginnt.

Weil unsere ersten beiden Metrostationen
der Linie 13 über der Erde lagen,
habe ich aus der Metro heraus einige Bilder gemacht.

 

Eine weitere Leihstation.

Beim Pantheon, dem Tempel für alle Götter,
wurden pro Person 8 Euro Eintritt verlangt.
Da konnten wir ganz leicht mal richtig Geld sparen.

Vor dem Pantheon.

Hinter “Notre Dame” auf der Insel.

 

Am Sonntag ist diese Straße an der Seine ausschließlich
für Fußgänger, Skater und Radler frei gegeben.
Schön.
Wir wissen allerdings nicht,
wie lang die freigegebene Strecke ist.

 

Vor dem “Hotel de Ville” werden Elektrofahrzeuge gezeigt.
Der Andrang hält sich aber wie das Angebot in Grenzen.

Von 10 bis 19.30 Uhr für Radler und Fußgänger reserviert.

Im Juden-Viertel, “Le Marais”,
sind die Geschäfte am Sabbat zu und sonntags geöffnet.

 

Hier haben wir uns ein paar “koschere” Teilchen gegönnt.

Bei diesem Museum hat uns nur das Gärtchen interessiert.

Der (angeblich) schönste Platz von Paris: “Place des Vosges”.

Warum der so schön sein soll, blieb uns leider verborgen.

Auf der Fußgängerbrücke “Pont Saint Louis”
zwischen den beiden Inseln
wird ständig Musik gemacht.
Selbst Bass und Klavör sind nicht zu schwör.

Noch einmal “Notre Dame” und die Bukinisten an der Seine.

Im “Quartier Latin”.

Eine kleine, etwas versteckt liegende Kirche,
ohne Eintritt und ohne Andrang.

Am Louvre.

Eigentlich wollte meine Frau auch mal rein.
Aber die Schlangen vor dem Eingang
und die damit verbundene Wartezeit haben es verhindert.
Ich war früher schon mal drin und weiß deshalb,
dass sie gar nicht so viel versäumt hat.

Man kann zwar, aber man muss nicht unbedingt.

Falls man aber doch unbedingt mal muss,
sollte man das nächste Lokal aufsuchen.

Wer dagegen den städtischen Wegweisern folgt,
kann sich kilometerlang die Hacken ab laufen,
um dann an einer Metrostation zu lesen,
dass die Toilette geschlossen ist.

Denen sollte man doch vor die Tür ........ .

Ein künstlerisch gestalteter Metro-Eingang.

Der “Jardin du Palais Royal” reißt einen zwar auch nicht vom Hocker, ist aber doch nicht ganz so eintönig wie die meisten anderen “Gärten”.

“Fütterung der Raubtiere”.

Da fressen sogar die Spatzen aus der Hand.

Wir essen lieber vom Teller.
Und zwar Hühnchen bzw. Lachs.
Und weil's trocken nicht so gut rutscht,
ist auch ein kleines Bierchen für schlappe 5 Euro dabei.

Kunst in der Metro in der Station Cluny La Sorbonne.

Und zum Abschied wieder ein stimmungsvoller Ausblick aus dem Hotel.

Bei der Heimreise am Montag
habe ich mich wieder blindlings auf
die Ortskenntnis der Dame im Navi verlassen.
Die muss es wissen.
Die war schon mal da.

 

Fazit

Paris ist eine Großstadt
mit allen Vor- und Nachteilen, die sich daraus ergeben.
Das war uns schon vorher bewusst.

Irgendwann werden wir sicher wieder mal hin fahren.
Dass wir dann unsere Räder mit nehmen,
halte ich für eher unwahrscheinlich.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind spitze.
Die Nutzungsmöglichkeiten für Räder eher beschränkt.

Selbstverständlich werden wir wieder
ein Hotel in einer Vorstadt buchen.
Allerdings ein anderes.

“Median Paris Châtillon”
kann sich seine drei Sterne
in die Aircondition stecken.

Obwohl es am Frühstücksbuffet nichts auszusetzen gab.
Aber für 12 Euro kann man das ja wenigstens erwarten.

Was bleibt?

Wir sind noch am Lernen und werden es vielleicht
demnächst mal in Berlin versuchen.
Obwohl wir beim Zustand der dortigen Verkehrsmittel
vielleicht dringend auf unsere Räder angewiesen sein werden.

Warten wir's ab.

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Quer durch Rheinhessen (6) 

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