rt-go: 2009-05-30

Nachbarn

kann man sich nicht aus suchen

Natürlich nicht.
Die muss man nehmen wie sie kommen.

Bei uns kamen sie am Sonntag und zwar gleich zu fünft. Das war Maximalbelegung für das Appartement nebenan. Offenbar handelte es sich um die niederländische Fraktion einer niederländisch-italienischen Vereinigung der “lästigen Witwen”. Denn, wenn die fünf unter sich waren, sprachen sie niederländisch.

Wenig später durften wir auch die vier von der italienischen Fraktion sehen. Sie waren wohl anderswo untergebracht und trafen sich auf der Terrasse nebenan, weil dort, wenn auch knapp, für alle neun Platz war.

Dann feierten sie offenbar gemeinsam, dass sie ihre Männer erfolgreich unter die Erde gebracht hatten. Alle zusammen sprachen dann italienisch. Dabei ist “alle zusammen” wörtlich zu verstehen.

Ich weiß aus Erfahrung, dass man beim Zuhören am Meisten erfährt. Das war aber offensichtlich nicht deren Bedürfnis. Deshalb hat es, außer uns natürlich, niemanden gestört, dass alle neun gleichzeitig redeten. Das hat ja auch seine Vorzüge. Auf diese Art konnte jede ihr persönliches Redebedürfnis maximal befriedigen. Und etwas Neues hatte vermutlich sowieso keine zu erzählen.

Ich hatte Italienisch immer für eine schöne und wohlklingende Sprache gehalten. Nun bin ich von diesem Irrtum befreit. Denn wenn neun Kampfschwätzerinnen gleichzeitig ihr Bestes geben, bleibt wohl bei jeder Sprache der Wohlklang auf der Strecke.

Nun, was man nicht ändern kann, ist eben “höhere Gewalt”. Ein Ausdruck, der jetzt bei uns einen ganz neuen Aspekt dazu gewonnen hat.

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San Vincenzo 

 

Alles gesehen - nix kapiert - alles von vorn gucke!

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